Zwischen ganz viel Werbung in der neuen Monopol entdeckt: Das großartige Haus aus Tom Fords Isherwood-Verfilmung “A Single Man” steht zum Verkauf. Genau das Haus, in dem Colin Firth (als melancholischer Literaturprofessor) sich mit Julianne Moore betrinkt, wo er in der Küche Zettel für die Haushälterin schreibt und wo er sich schließlich auf den Selbstmord vorbereitet.
Gebaut wurde die Schaffer Residence in Glendale, Kalifornien schon 1949 von John Lautner, einem Schüler Frank Lloyd Wrights. Den Einfluß Wrights erkennt man auch sofort an der Einbettung des Gebäudes in die Landschaft, an den unregelmäßigen Räumen und den natürlichen Materialien wie Redwood. Preis für eines der Lieblingshäuser von u.a. Frank O. Gehry: 1.495.000 $.
Nein, noch ist nicht klar, wer von den 24 Nominierten in diesem Jahr den Preis gewinnt. Für mich allerdings steht der Sieger bereits fest: Der Umblätterer! Ok, die Mini-Texte von Florian Meimberg sind auch nicht schlecht aber gegen die geballte Macht des Consortium Feuilletonorum Insaniaeque kommt keiner an.
Wo sonst liest man so detailgenau von Rainald Götz’ Auftritt bei Harald Schmidt? Wer sonst sammelt so schöne Vossianische Antonomasien? Und wo sonst werden heute noch Leo Perutz und John Flaxman gefeiert?
(Einziger Wermutstropfen waren für mich als Nicht-Seher allerdings die “Lost”-Zusammenfassungen. Aber die letzte Folge ist ja zum Glück gelaufen!)
Bei TV Spielfilm kann man übrigens selbst abstimmen.
Halb abgerissene Tapeten an den Wänden einer alten Ruine. Darunter: Hinweise auf frühere Bewohner. Regen, Wind und Wetter ausgesetzte Zeitungen, Briefe, Buchseiten. Der ursprüngliche Inhalt ging verloren und zurück bleibt ein rätselhaftes Papier, das nun nichts mehr zu übermitteln hat als sich selbst.
Die Collagen des 1939 in Köln geborenen Künstlers Bernd Nothen erinnern in ihrer abstrakten Schönheit auch oft an zerknülltes und dann wieder glattgebügeltes Papier. Doch egal, welche Assoziationen man bei den farbigen oder monochromen Papierarbeiten auch hat, immer ist man als Betrachter fasziniert von den mysteriös-abstrakten Formen.
Der im Freiburger modo Verlag erschienene Bildband mit dem treffenden Titel “Verlorene Botschaften - Lost Messages” versammelt in qualitätvollen Abbildungen Collagen und Assemblagen Nothens aus den letzten 40 Jahren. Die Arbeiten werden allerdings nicht chronologisch, sondern nach formal-ästhetischen Aspekten geordnet. Dies ist nur konsequent, denn immer wieder überarbeitet Nothen auch ältere Werke. Alte Schichten werden abgetragen, neue kommen hinzu.
Als Inspiration gibt der Künstler die Begegnung mit italienischen Renaissance-Fresken an. Ein guter Ausgangspunkt für eine Beschäftigung mit Nothens Collagen. Wo dort unbeabsichtigt der Putz und somit die gemalten Heiligen von der Wand bröckeln, die Botschaft also verloren ist, wird es für den Künstler spannend. Wie andere, etwa Max Ernst in seinen surrealistischen Grattagen, untersucht er das Spannungsfeld zwischen Assoziation und Abstraktion. Und gerade jene Bilder, die seltsam in der Schwebe bleiben, auf denen man bei jedem neuen Blick mehr erkennen zu glaubt und dann doch plötzlich wieder nichts, zählen zu Nothens beeindruckendsten Kunstwerken. Schließlich - und da ähneln einige seiner Werke denen des Amerikaners Cy Twombly - ist es am Betrachter, sich die verloren geglaubten Botschaften zurückzuholen.
Nein. Das ist kein Kochbuch. Zwar finden sich in “Kochen mit Fernet-Branca” tatsächlich einige Rezepte, doch wer würde so etwas wie Fischkuchen, Alien Pie (inkl. 1 kg geräucherter Katze) oder Fischotter mit Langustensauce wirklich nachkochen? Stattdessen liefert der Brite Hamilton-Peterson mit seinem amüsant-verrückten Roman eine Mischung aus Thriller und Kulturbetriebs-Satire. mehr
Dumm aber glücklich. Das hört sich ja eigentlich ganz logisch an. Doch wie findet man heraus, ob das nicht nur ein platter Spruch, ein Klischee ist, sondern wirklich stimmt? Antoine, Held im gleichnamigen Roman des Franzosen Martin Page, hat genug von seiner Intelligenz, die angeblich Schuld an seinem Unglück, seiner Einsamkeit und seiner Armut ist. Also entscheidet er sich für die Dummheit. mehr
Wer stahl die „Mona Lisa”? Mit welcher Provokation kann ein Künstler heute noch einen Skandal hervorrufen? Was muss man tun, um in Diktaturen zum Staatskünstler aufzusteigen? Das Autorenteam Saehrendt und Kittl hat einen neues Anekdotenbüchlein geschrieben, dass allerhand unglaubliche und verrückte Ereignisse aus der Geschichte der Kunst erzählt. mehr
Gekleckert und verschmiert, gespritzt und verwischt. Mal dick aufgetragen und mit dem Spachtel bearbeitet, mal flüssig über die Leinwand geträufelt. Was Künstler mit Farbe auf Papier und Leinwand alles anstellen können, wenn sie sich erst einmal vom abzubildenden Gegenstand gelöst haben, ist derzeit in der großen Ausstellung “Le Grand Geste! Informel und Abstrakter Expressionismus. 1946-1964“ in Düsseldorf zu sehen.
Etwa 150, meist großformatige Werke beweisen, dass in nicht einmal zwanzig Jahren zwischen Kriegsende und der documenta III als Durchbruch der Pop Art allein in Deutschland, Frankreich und den USA unerwartet viele Positionen abstrakt-expressiver Malerei nebeneinander standen. Und auch wenn das von vielen Kritiker- und Kunsthistoriker-Generationen gestiftete Begriffswirrwarr nicht vollständig geklärt werden kann, so ist doch jeder, der sich auf die Bilder einlässt, schnell gefesselt von der ungegenständlichen Vielfalt. mehr
Gelandet ist das UFO schon Mitte der 70er Jahre. Doch richtig bunt wird es erst jetzt. Das liebevoll Bierpinsel genannte, ehemalige Turmrestaurant Steglitz der ICC-Architekten Ralf Schüler und Ursulina Schüler-Witte stand in den letzten Jahren leer. Seit Anfang April gestalten nun vier internationale Street Art-Künstler die Außenhaut des futuristischen Gebäudes. Bis Mitte April ist es noch Flying Förtress aus Hamburg. Im Inneren gibt es eine von der Vicious Gallery organisierte Ausstellung mit Urban Art u.a. von Dave The Chimp, Sozyone González und Stefan Strumbel. Unter turmkunst.de finden sich weitere Informationen, einen kritischen Bericht über das Projekt und die Organisatoren gibt es bei proud.de und immer wieder aktuelle Fotos erscheinen bei ekosystem.org. Hier einige Aufnahmen vom 17. April 2010:
Es kann ja gar nicht oft genug auf das großartige “Slightly Foxed” aus England hingewiesen werden. Nicht nur, dass das Magazin mit ganz persönlichen Buchbesprechungen nach wie vor wunderbar oldfashioned auf Papier erscheint (und nicht als App), vor kurzem haben die beiden Herausgeber Gail Pirkis und Hazel Wood im krisengeschüttelten London auch noch einen alten Buchladen übernommen (South Kensington, 123 Gloucester Road).
In mal enthusiastischen, mal informativen, aber immer leidenschaftlichen Kurzessays werden in Heft 25, der aktuellen Frühlingsausgabe, Bücher von so unterschiedlichen Autoren wie Janet Evanovich, John Kenneth Galbraith oder Edith Sitwell besprochen. Es geht diesmal also um Abenteuer einer Kopfgeldjägerin, um den Aufbau des Sozialstaats und englische Exzentriker - wenn das keine wilde Themenmischung ist!
Im Vorwort berichten die Herausgeber regelmässig aus ihrem Büroalltag und wenn das Abo schon wieder ausläuft, bekommt man keine Mail, sondern einen sympathischen Erinnerungsbrief.
Kurz: “Slightly Foxed” ist Pflichtlektüre für alle Büchernarren und Bibliomanen!
Es ist schon viel über Roberto Bolaños letzten Roman “2666″ geschrieben worden. Auf der Homepage des Verlages erläutert Tobias Lehmkuhl die fünf Teile des ingesamt über 1000 Seiten dicken Buches. Unter www.zwei666.de finden sich Einträge unterschiedlicher Autoren, die “2666″ im letzten Jahr gemeinsam lasen. Daher will ich hier auf eine Inhaltsangabe verzichten (alle Erzählstränge und Personen anzusprechen, würde sowieso den Rahmen sprengen), sondern stattdessen auf einige mir wichtige Motive eingehen. [...]