Beitrags-Archiv für die Kategory 'Architektur'

Herzog & de Meuron: Tenerife Espacio de las Artes

Freitag, 13. November 2009 14:29

Sie sind das einflussreichste und bekannteste Architektenteam der Gegenwart. Großprojekte wie der Umbau eines alten Kraftwerks zur Tate Modern in London, die Allianz-Arena in München oder das Olympia-Stadion in Peking (”Vogelnest”) wurden im Büro von Jacques Herzog und Pierre de Meuron entworfen. Doch auch abseits der Metropolen und bei nicht ganz so großen Bauaufträgen beweisen die Schweizer ihren Mut zu Innovationen:
Im Herbst 2008 eröffnete in Santa Cruz mit dem Tenerife Espacio de las Artes, kurz TEA, ein Kunst- und Ausstellungszentrum, das neben dem Óscar Domínguez gewidmetem Museum auch eine Bibliothek, einen Hörsaal, ein Restaurant und einen Shop beherbergt.
Das TEA entstand in Zusammenarbeit mit dem spanischen Architekten Virgilio Gutiérrez. Es liegt im Stadtzentrum an einem Hang zwischen einer Brücke und einem Kanal. Der Grundriss hat die Form eines Rechtecks, dem durch versetzte Diagonalen ein Dreieck in der Mitte herausgeschnitten wird. Dort befindet sich der geöffnete Innenhof, über den man auch ins Innere des Gebäudes gelangt. Eine diagonale, offen zugängliche Rampe reicht von der oberen bis zur unteren Ebene und führt mitten durch das Gebäude.
Die Außenseiten scheinen auf den ersten Blick wehrhaft, erinnern durch die Pixel- oder Tetrisformen der Fenster dann aber schnell an abstrakt-geometrische Gemälde oder auf der Kanalseite an einen nicht entschlüsselbaren Computercode. Am groben Sichtbeton zeigen sich außen die Spuren des Regens. Dunkle Bodenplatten rund um das TEA grenzen es noch stärker von der Umgebung ab. Im Inneren gibt es zahlreiche große Ausstellungsräume und noch bis Januar 2010 werden unter anderem Landschaftsfotos von Thomas Ruff präsentiert, die sich in ganz ähnliche Pixel auflösen, wie die Außenwände des Gebäudes selbst.

Herzog & de Meuron: Tenerife Espacio de las Artes

Bild 1 von 19

Thema: Architektur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Oscar Niemeyer: Pestana Casino Park in Funchal, Madeira

Freitag, 30. Oktober 2009 15:29

Selbst wenn Madeiras Hauptstadt Funchal heute von allen Seiten mit Hotels zugebaut wird - ein Gebäudekomplex stellt alle alten und neuen Bettenburgen locker in den Schatten: Oscar Niemeyers Pestana Casino Park wirkt noch immer so modern wie zu seiner Entstehungszeit Mitte der 1960er Jahre. Das strahlend weiße Casino in der Form eines Vulkans mit vertikalen Rippen an der Außenseite erinnert an Niemeyers Kathedrale in Brasilia. Es ist umgeben von einem halbrund gebogenen Hotelblock auf hohen Sockeln. Dazwischen ist viel Platz für Bäume und Blumen. Über eine geschwungene Brücke sind Casino und Hotel miteinander verbunden. Und hinter dem Casino, vor den Blicken der Passanten gut geschützt, befindet sich der obligatorische Pool mit Blick auf den Ozean.

Casino Madeira

Bild 1 von 12

Thema: Architektur | Kommentare (2) | Autor: Steffen

Iglesia de El Salvador in Santa Cruz de La Palma

Samstag, 24. Oktober 2009 9:56

Es ist das größte Renaissancegebäude der gesamten Kanaren. Gebaut wurde die Iglesia de El Salvador Ende des 15. Jahrhunderts. Die Fassade zitiert Elemente eines römischen Triumphbogens und liegt an einem kleinen, zentralen Platz mitten im Zentrum von La Palmas Hauptstadt Santa Cruz. Die Stadt am Fuße eines Vulkankraters war im 16. Jahrhundert nach Sevilla und Antwerpen die wichtigste Hafenstadt des spanischen Königreichs. Die Kirche stammt aus dieser kolonialen Blütezeit. Sie fügt sich nahtlos ein in das Netz von kleinen Gassen und Straßen der intakten Altstadt. Das Innere beeindruckt vor allem mit einer abwechslungsreichen, farbenfrohen Kassettendecke. Vor der Kirche steht ein Denkmal für den Geistlichen Hernández, der im frühen 19. Jahrhundert in seinen Predigten für politische Freiheit eintrat.

Iglesia de El Salvador in Santa Cruz de La Palma

Bild 1 von 8

Thema: Architektur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Santiago Calatrava: Auditorio de Tenerife

Freitag, 9. Oktober 2009 10:45

Ein Segel im Wind, die Flosse eines riesigen weißen Fisches oder ein steinernes Palmenblatt - egal, welches Bild einem vorschwebt - Santiago Calatravas Kongress- und Konzerthalle in Teneriffas Hauptstadt Santa Cruz ist unglaublich schön. Das mit unzähligen unregelmäßigen weißen Kachelstücken verkleidete Gebäude strahlt in der Sonne besonders hell. Der Architekt verweist hiermit auf Antonio Gaudi, der seine Gebäude ebenfalls mit Keramikscherben schmückte. Die 2003 eröffnete Halle steht direkt an der Küste und zeigt in Richtung See, die Sichel schwingt quasi in Fahrt- oder Windrichtung nach hinten. Die umliegenden Terrassen und der Betonsockel nehmen die spitzen und geschwungenen Formen des Gebäudes wieder auf. Neben Gaudi sind noch weitere Vorbilder im Gespräch: Mendelsohns Einsteinturm in Potsdam oder Utzons Opernhaus in Sydney weisen Ähnlichkeiten in der ausdrucksstarken Formensprache auf.

Auditorio de Tenerife von Santiago Calatrava

Bild 1 von 12

Thema: Architektur | Kommentare (5) | Autor: Steffen

Modell Bauhaus. Martin-Gropius-Bau Berlin

Mittwoch, 19. August 2009 17:15

Diese Ausstellung ist vor allem eins: riesig! Das komplette Erdgeschoss des Martin-Gropius-Bau, dem ehemaligen Berliner Kunstgewerbemuseum, ist regelrecht vollgestellt mit etwa 1000 Bauhaus-Objekten. Selbst im Lichthof gibt es kein Entrinnen: Dort holt die Amerikanerin Christine Hill mit ihrer witzigen Mitmach-Installation “Do-It-Yourself Bauhaus” den Mythos in die Gegenwart. 90 Jahre nach Gründung des Bauhauses in Weimar veranstalten die drei großen Institute (Stiftung Bauhaus Dessau, Klassik Stiftung Weimar, Bauhaus-Archiv Berlin) gemeinsam die bislang größte Ausstellung zum Thema.
Gemälde, Fotos, Modelle, Skizzen, Entwürfe, Drucke, Bücher, Möbel, Kunstgewerbe, ja sogar originale Architekturteile (z.B. Fenster und Türen aus einem Dessauer Reihenhaus von Walter Gropius) oder Kleidung (Grete Reichardts Bauhaus-Kleid von 1928) - Objekte aus allen nur möglichen Bereichen erweitern den sonst üblichen Schwerpunkt auf Architektur und Inneneinrichtung. Mit so vielen unterschiedlichen Kunstwerken - groß oder klein, flach oder sperrig, fragil oder robust - muss die Ausstellungsarchitektur erst einmal fertig werden. Am Anfang wirkt das noch chaotisch und vollgestopft: Gleich im zweiten Teil, “Impulse aus der Kunst”, verstellen etliche kleine, von beiden Seiten behangende Stellwände den Raum und schon bei mehr als 20 Besuchern beginnt ein Hin- und Herschlängeln um die Kunstwerke. Dabei verpasst man schnell so tolle Arbeiten wie Kandinskys “Kleine Welten”.
Doch spätestens nach der Hälfte der Ausstellung überzeugt die eigens (ein-)gebaute Architektur der Berliner Firma kubix - vielleicht auch weil viele ältere Ausstellungsbesucher inzwischen schlapp gemacht haben und nicht mehr jedes Stück blockieren. Im zehnten Raum (von insgesamt 18) steht der komplizierte Licht-Raum-Modulator von László Moholy-Nagy hinter transparenten Wänden und wird von bunten Scheinwerfern angestrahlt. Wenn sich diese wohl früheste kinetische Plastik (mehr zu moderner kinetischer Kunst hier) zu drehen beginnt und im dunklen Raum ein wunderbares Lichtspiel verursacht, wird zum ersten Mal richtig klar, was die Bauhaus-Leute mit Einheit von Kunst und Technik meinten.
Und so ist die Ausstellung etwas für Bauhaus-Kenner UND -Einsteiger. Die einen freuen sich über ein Wiedersehen mit Marcel Breuers Clubsessel, Mies van der Rohes Entwurf für den Pavillon in Barcelona 1928, seine Hochhaus-Entwürfe für die Berliner Friedrichstraße oder über die Gemälde von Lyonel Feininger. Die anderen staunen über hochkarätige Leihgaben aus dem New Yorker MoMA (Werke von Malewitsch und Mondrian im Raum “Wechselwirkungen”). Und doch gibt es noch so viel selten Gezeigtes, wie Marcel Breuers “Afrikanischer Stuhl” oder das originale Fensterelement aus dem Faguswerk in Alfeld von Gropius und Meyer. Schließlich ist nicht nur der Einsteiger überrascht über Breite und Vielfalt des Bauhauses!
Modell Bauhaus ist noch bis 4. Oktober geöffnet.

Thema: Architektur, Kunst | Kommentare (1) | Autor: Steffen

Íñigo Hernández Tofé: Axel Hotel Berlin

Donnerstag, 9. Juli 2009 11:29

Hotel Axel BerlinDieses Gebäude in den Farben Schwarz und Gold präsentiere Einfachheit und Eleganz gleichzeitig, so der spanische Architekt Íñigo Hernández Tofé über sein Hotel Axel in Berlin. Das Haus steht auf einem schmalen Streifen, direkt an der Lietzenburger Straße in Berlin-Schöneberg. Die insgesamt 86 Zimmer der sechs Etagen erreicht man jeweils über kreisförmige Empfangsräume. Von außen sind diese als turmähnliches Scharnier in der Mitte sichtbar und auch an den Seiten des Baus nimmt der Architekt diese runde Form bis hin zum Pool an der Spitze der Dachterrasse wieder auf (auf den Fotos rechts oben). Berlin ist nach Buenos Aires und Barcelona der dritte Standort der Hotelkette, die sich vornehmlich an schwule Gäste richtet (Motto: “heterofriendly”). mehr Fotos

Thema: Architektur | Kommentare (2) | Autor: Steffen

Mark Braun Architekten: Spreedreieck Berlin

Samstag, 13. Juni 2009 11:02

Mark Braun: Spreedreieck, Berlin FriedrichstraßeBerlin Friedrichstraße, Ecke Reichs- tagsufer. An dieser Stelle sollte es stehen, Mies van der Rohes spitzes Glashochhaus. Die Entwürfe aus dem Jahr 1921 sind inzwischen so etwas wie Inkunabeln der Moderne. 20 Geschosse sollte es hoch sein und über einen inneren Erschließungskern mit Fahrstühlen, Treppen und Versorgungsräumen verfügen, so dass an den Außenseiten viel Platz für Glas wäre. Gebaut wurde das Haus nie. Nicht ganz hundert Jahre später verkaufte Berlin das Grundstück. Alles, was darauf gebaut werden würde, müsste sich mit Mies’ Meisterstück messen lassen.
Viel ist inzwischen über das Projekt Spreedreieck geschrieben worden, es existiert sogar ein eigener Wikipedia-Eintrag. Besonders vernichtend an dem von Mark Braun entworfenen Hochhaus fiel Dieter Bartetzkos Kritik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung aus. Dabei zitiert Braun, der in den späten 90ern für Sir Norman Foster die Leitung des Reichstag-Umbaus übernahm, an einigen Stellen den alten Entwurf. Politik, Bürokratie und sonstiges Hin und Her machten aus Brauns ursprünglichen Entwurf mit 40 Stockwerken einen düsteren, mittelmäßigen Kompromiss. Wie soll ein Hochhaus seine Wirkung entfalten, wenn es nicht hoch sein darf? Doch noch ist der Bauzaun nicht abgebaut und die Mieter, die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young, nicht eingezogen. Und wer weiß, vielleicht gewöhnt man sich mit der Zeit auch an einen Kompromiss. (Nachtrag August 2009: Die originalen Entwürfe von Mies van der Rohe gibt es noch bis Anfang Oktober in der Ausstellung “Modell Bauhaus” zu sehen.)
.
mehr Fotos

Thema: Architektur | Kommentare (1) | Autor: Steffen

Fritz Höger: Evangelische Kirche am Hohenzollernplatz Berlin

Samstag, 30. Mai 2009 9:34

Fritz Höger: Kirche am Hohenzollernplatz (1930-33)

Fritz Högers (1877-1949) Kirche am Hohenzollernplatz aus den frühen 30er Jahren weist viele für den Architekten typische Merkmale auf: Der Bau ist aus klaren Formen zusammengesetzt und die Flächen sind mit einem kleinteiligen Klinkerdekor überzogen. Sein berühmtestes Werk, das Hamburger Chilehaus, besitzt eine ähnliche Oberflächenstruktur. Ungewöhnlich sind die auf den ersten Blick kaum zu erkennenden Fenster, die schmal zwischen den vertikalen Strukturen liegen. Durch eine spitzbogige Portalnische betritt man die 1943 ausgebrannte, bis 1961 wieder aufgebaute und 1991 sanierte Kirche. Der Spitzbogen gibt gleichzeitig die Struktur des Innenraums vor, zwischen den 13 Bögen im Inneren scheint das Licht durch farbige Fenster. Formen, Farben und Oberflächen machen die Kirche zu einem Hauptwerk des Expressionismus in Deutschland. Mehr zur Geschichte der Kirche auf der Homepage der Hohenzollerngemeinde.

mehr Fotos

Thema: Architektur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Hans Poelzig: Mosaikbrunnen im Großen Garten Dresden

Mittwoch, 13. Mai 2009 9:41

Hans Poelzig: Mosaikbrunnen in Dresden

Hinsichtlich des Entstehungsjahrs von Hans Poelzigs (1869-1936) expressionistischen Mosaikbrunnen im Großen Garten herrscht etwas Verwirrung. (Hier wird erwähnt, dass der Brunnen bei der 5. Jahresschau Deutscher Arbeit 1926 einfach integriert wurde, da er am selben Ort bereits für die Schau 1922 errichtet wurde.) Vielleicht führte das Motto “Gartenbau” der 5. Schau zu dieser Verwechslung, erinnert der Brunnen doch stark an bunte Blütenkelche. Auch das 1918-19 nach Plänen Poelzigs umgebaute Große Schauspielhaus in Berlin kann als Referenz dienen: Die Pfeiler im Foyer ähnelten ebenfalls  Stalaktiten und Orgelpfeifen. Die Mosaiksteinchen lieferte die Berliner Firma Puhl & Wagner, 2006 wurde der Brunnen komplett restauriert.

mehr Fotos

Thema: Architektur, Kunst | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Frank Lloyd Wright: Unity Temple in Oak Park

Sonntag, 3. Mai 2009 9:23

Nachdem hier schon Frank Lloyd Wrights Wohnhaus mit Atelier in Oak Park (Chicago) vorgestellt wurde, folgt jetzt der von ihm entworfene Unity Temple aus dem Jahr 1904 ein paar Straßen weiter. Um die Jahrhundertwende zerstörte ein Feuer die alte Kirche und die Gemeinde beauftragte ihr Mitglied Wright mit einem Neubau für das schmale Grundstück. Die neue Kirche, eines der ersten Bauwerke aus Stahlbeton, sieht von außen eher aus wie ein Mausoleum: Vollkommen gegen die Außenwelt abgeschirmt, wie viele von Wrights Prairie-Häuser, befindet sich der Eingang versteckt hinter zwei Mauern an der Seite. In der Innenausstattung zeigt sich Wrights geometrischer Stil erstmals vollständig; ihm ging es um die Gestaltung eines würdevollen Raumes mit der Hilfe natürlicher Materialien. Mehr zum Unity Temple, der bald zum Weltkulturerbe gehören soll, gibt es hier. Wer sich für FLW und sein bewegtes Privatleben interessiert, der lese T.C. Boyles “Die Frauen”!

.

Frank Lloyd Wright: Unity Temple

.

mehr Fotos

Thema: Architektur | Kommentare (0) | Autor: Steffen