Merle Kröger: Havarie

Mittelmeer: Ein liegengebliebenes Schlauchboot voller Flüchtlinge trifft auf einen Mega-Kreuzfahrtdampfer. Ein Containerschiff ist in der Nähe, die spanische Seenotrettung alarmiert, per Handy und Internet sind noch mehr Menschen am Geschehen auf Hoher See beteiligt.
Schon das Setting von Merle Krögers Buch „Havarie“ klingt nach großem Drama, vielen Problemen und Konflikten unserer Zeit. Doch was die Autorin daraus macht, hat mich leider nicht überzeugt. Ein Roman ist „Havarie“ für mich nämlich nicht, eher so etwas wie Doku-Fiction, also durchaus realistische Situationen gefüllt mit fiktiven Geschichten von Menschen auf den jeweiligen Schiffen oder an Land. Und genau diese Biographien haben mich enttäuscht, manchmal sogar verärgert. So wichtig es ist, über die Flüchtlingskrise, die Probleme der Globalisierung, Umweltzerstörung, Glaubenskriege, Digitalisierung usw. zu schreiben – warum musste das alles zusammen in die Lebensgeschichten der handelnden Personen gepackt werden?
In kurzen Kapiteln, die zwischen den Schiffen und den Menschen darauf hin- und herspringen, wird eine so hohe Geschwindigkeit und Spannung aufgebaut, dass die genannten Inhalte auf der Strecke bleiben und nur in ein bis zwei Sätzen angerissen werden können. Jeder einzelnen Biographie werden große historische und aktuelle Krisen und Dramen aufgedrückt: IRA-Konflikt, Ukraine-Krise, Holocaust – alles ist dabei.
Dass die Autorin gut und viel recherchiert hat, merkt man ihrem Buch sofort an (z.B. die Stellen über das Kreuzfahrtschiff). Mich hätten Reportagen über die einzelnen Schiffe wahrscheinlich mehr überzeugt. Da aufgrund der kurzen Kapitel die fiktiven Charaktere für mich nicht lebensecht, sondern sehr konstruiert wirken, lässt mich „Havarie“ leider enttäuscht zurück.

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