Ernest Sabato: Der Tunnel

„Und es war, als ob wir beide in parallelen Gängen oder Tunneln gelebt hätten, ohne zu wissen, dass der eine neben dem anderen ging…“ So beschreibt der Maler Juan Pablo Castel rückblickend seine Beziehung zu María Iribarne. Ein Detail auf einem seiner Gemälde hatte die beiden zueinander geführt. Zwischen den Tunneln erschienen gläserne Wände – so die Tunnel-Metapher weiter – und die beiden lernten sich kennen.
Es entwickelt sich eine komplizierte, gewaltvolle Verbindung. Juan ist ein egozentrischer Sadist, dessen Eifersucht ihn Schritt für Schritt in den Wahnsinn treibt. Als Leser kann man schon gleich am Beginn des Romans alle Hoffnungen auf die positive Kraft der Liebe aufgeben, denn Juan sitzt im Knast. Er hat Mariá umgebracht.
Juans Bericht aus dem Gefängnis rollt die Beziehung vom abenteuerlichen Kennenlernen bis zum tragischen Ende noch einmal auf. Eine klare, brutale Sprache aber auch einige düstere Träume und dramatische Naturbeschreibungen lassen Juans Charakter sehr lebendig und plastisch erscheinen. Um Bildende Kunst – Juan ist schließlich Maler – geht es überraschend selten. (Ausnahme: Ein stürmischer Himmel erinnert ihn an ein manieristisches Bild von Tintoretto.) Am Ende ist die Kunst aber vielleicht so etwas wie die letzte Rettung für den Mörder.
Der Argentinier Ernesto Sabato veröffentlichte seinen kurzen Roman „Der Tunnel“ 1948, Albert Camus bestaunte dessen „Nüchternheit und Intensität“ (so steht es auf der Rückseite meines Taschenbuchs aus dem Verlag Klaus Wagenbach) – diesem Kommentar ist nichts hinzufügen.

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