Klaus Modick: Sunset & Michael Lentz: Pazifik Exil

Modick und Lentz
Zwei Romane, ein Thema. Klaus Modick (geb. 1951) und Michael Lentz (geb. 1964) widmen sich in ihren Büchern „Sunset“ (2011) und „Pazifik Exil“ (2007) den Lebensläufen einiger während des Nationalsozialismus nach Kalifornien ausgewanderter Intellektuellen. Das Thema beider Bücher ist zwar identisch (und die Buchcover sehr ähnlich), doch umgesetzt wurde es jeweils ganz anders. Daher hier und jetzt ein (etwas experimenteller) Buchvergleich:

1. DIE HELDEN
In beiden Romanen stehen die Ängste, Sorgen und Nöte der auf unterschiedlichen Wegen in die USA geflohenen Schriftsteller und Musiker im Mittelpunkt. Es geht um die Repressalien während der McCarthy-Ära aber auch um Erfolgsdruck und Neid zwischen den Kollegen. Klaus Modick beschränkt sich auf die letzten Lebensjahre Lion Feuchtwangers und dessen lebenslange Auseinandersetzung mit Bertolt Brecht. Michael Lentz hingegen schreibt zusätzlich aus den Perspektiven Arnold Schönbergs, Franz Werfels und Heinrich Manns. (Sein Buch ist daher auch mehr als doppelt so dick.)

2. FIKTION VS. REALITÄT
Während sich Modicks Feuchtwanger an einem einzigen Tag in chronologischen Rückblenden an die Gespräche mit Brecht erinnert, verfolgt Lentz mit zahlreichen inneren Monologen und Perspektivwechseln ein experimentelleres Konzept. Dass Klaus Modick ein hervorragender Feuchtwanger-Kenner ist, merkt man seinem konventionell erzählten Text an – irgendwie hat man das Gefühl, genau so ist das alles passiert. Michael Lentz hingegen bohrt sich regelrecht in die Köpfe seiner Protagonisten und dringt damit viel tiefer vor als es Schilderungen realer Begebenheiten schaffen könnten. Wenn z.B. Schönberg seitenlang über Thomas Mann grübelt, dem er seinen Lieblingssessel geliehen hatte und der im Sessel sitzend den „Doktor Faustus“ schrieb, dann ist man ihm als Person viel näher – auch wenn der Anteil der Fiktion gezwungenermaßen immer größer wird.

3. FAZIT
Ich empfehle die Lektüre beider Bücher: Sie ergänzen sich, da sie so unterschiedlich sind. Besonderen Spaß macht es, konkrete Querverbindungen zu entdecken; zumeist sind es historisch verbürgte Fakten, die in beiden Romanen auftauchen. Je nach Geschmack kann man mit dem konventionellen „Sunset“ oder dem sprachlich innovativeren (und anspruchvolleren) „Pazifik Exil“ mehr anfangen – gute Einblicke in das Leben deutschsprachiger Exilanten in den 1930er- bis 1950er-Jahren liefern beide!

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