Iain Banks: Die Wespenfabrik

Iain Banks
Warum die deutsche Erstausgabe der „Wespenfabrik“ des schottischen Schriftstellers Iain Banks bei Heyne 1991 in der Reihe Science Fiction & Fantasy erschien, ist mir nicht ganz klar. Offenbar wusste man damals nicht genau, unter welchem Label man die verstörende Familiengeschichte um den sadistischen Einzelgänger Francis am besten unter das Publikum bringt. Der Roman ist genausowenig Science Fiction wie Bret Easton Ellis‘ „American Psycho“ oder Günter Grass‘ „Die Blechtrommel“, zwei Bücher mit denen „Die Wespenfabrik“ schon desöfteren verglichen wurde.
Dass der sechzehnjährige Erzähler Francis ein Psychopath mit wenig Kontakt zur Außenwelt ist, wird schon auf den ersten Seiten klar, als er von seiner Leidenschaft Tiere zu quälen und zu töten berichtet. Stück für Stück blickt er zurück auf seine Kindheit und enthüllt drei hinterlistige Morde, die er an jüngeren Kindern begangen hat (oder haben will?), ohne dass man ihm es hätte nachweisen können. Sein älterer Bruder Eric hingegen ist auch offiziell als wahnsinnig anerkannt und gerade aus einer Anstalt geflohen. Bei all den verstörenden Details – die Wespenfabrik etwa ist eine von Francis in der Dachkammer eingerichtete Hexenküche, in der er mithilfe einer komplizierten Apparatur Wespen die Zukunft voraussagen lässt – liegt das eigentliche Drama wie so oft in der Familiengeschichte. Als Leser ahnt man es: Das abgeschlossene Arbeitszimmer des mürrischen Vaters birgt noch das ein oder andere Geheimnis, das am Ende natürlich gelüftet wird. Ohne diese arg konstruierten pseudopsychologischen Erklärungsversuche wäre der Roman hingegen noch beeindruckender, verstörender. So ist mein Fazit zwiespältig; an die ätzende Gesellschaftskritik von Ellis und das phantasievolle Geschichtspanorama von Grass reicht „Die Wespenfabrik“ in meinen Augen nicht heran.

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