Beiträge vom August, 2010

Cormac McCarthy: Die Straße

Sonntag, 22. August 2010 18:52

So düster und ausweglos ist kein anderer Roman. Vater und Sohn (Namen sind schon lange nutzlos) schleppen sich durch eine verbrannte Welt. Die Hoffnung, im Süden auf Leben zu treffen, treibt sie an. Doch ganz allein sind sie nicht. Ständig lauern wahnsinnige, bestialische Menschen auf Fleisch - die Konservenvorräte der Welt neigen sich dem Ende, Tiere und Pflanzen sind tot.
Was genau zur Apokalypse führte, wann und wo alles passierte, wie lange die beiden schon unterwegs sind - darüber schweigt der Erzähler. Die wenigen Dialoge zwischen Vater und Sohn sind genauso karg und hoffnungslos wie alles um sie herum. In sehr kurzen Sätzen versichern sie sich gegenseitig immer wieder die letzten Wahrheiten.
Ständig regnet es, sie frieren, die Sonne schafft es nicht durch die Asche-Wolken. Begegnungen mit anderen Überlebenen können stets im Tod enden. Doch zum Schluss scheint es einen Schimmer Hoffnung zu geben: Ein Fisch schwimmt in einem Bach.
“Die Straße” wurde 2007  mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und vor kurzem mit Viggo Mortensen und Charlize Theron verfilmt (deutscher Kinostart am 7.Oktober). Er beeindruckt nicht durch Brutalität oder Horror, sondern gerade durch das Nicht-Gesagte, durch seine Offenheit. So ist es am Leser, sich seine Gedanken zu machen, so sind es die in wenigen Sätzen skizzierten Endzeit-Bilder, die einen nicht mehr loslassen.

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Escape from Colditz: Flucht aus Sachsen

Dienstag, 3. August 2010 17:17

Schon Ende des 11. Jahrhunderts baute man hier eine Burg. Doch so lang und wechselhaft die Geschichte von Schloss Colditz in Sachsen auch ist, die sechs Jahre von 1939-45 als Gefangenenlager Oflag IV-C überdecken bis heute alle anderen Ereignisse.
Im 12. Jahrhundert wurde Colditz unter Kaiser Friedrich I. zum Reichsgut, im 15. Jahrhundert wechselte es in den Besitz der Wettiner. Die letzte Blüte erlebte Colditz unter August dem Starken, der es als Jagdschloss nutzte. Dann wurde es Armen-, Irren- und Krankenhaus und aufgrund der (vermeintlich) ausbruchsicheren Lage unter den Nazis schließlich Gefangenenlager für Offiziere aus Großbritannien, dem Commonwealth, Frankreich, Belgien, Holland und Polen. Prominente wie die Neffen von Churchill oder von König George VI., Journalisten oder Kriegshelden wurden hier ebenfalls nach den Genfer Konventionen festgehalten. (Also ganz im Gegensatz zu den Insassen der KZs weder gefoltert noch ermordert.) Natürlich haben viele trotzdem versucht zu fliehen. Unter den Gefangenen galt es sogar zum guten Ton, immer wieder neue Ausbruchversuche zu starten. Die meisten Ausbrüche sind so kreativ und spektakulär, dass sie sich kein Thrillerautor hätte besser ausdenken können:
Leutnant Airey Neave verkleidete sich als deutscher Gefreiter, wurde aber schnell enttarnt. Oberleutnant Perodeau dagegen wurde zum Doppelgänger eines deutschen Elektrikers, der natürlich ungehindert in Colditz ein- und ausgehen konnte. Doch auch Perodeau wurde erwischt. Puppen, die beim Zählappell geflohene Kameraden ersetzten, lange Tunnel durchs Felsgestein, ein selbst gebauter Segelflieger… - die einzelnen Aktionen (nachzulesen hier) lieferten schon Stoff für zahlreiche Bücher und Filme.
Die Ausstellung im Schloss widmet sich vor allem der Zeit als Gefangenenlager und bei Führungen wird man direkt an die Orte der Ausbruchversuche geführt. Wem der Weg ins tiefste Sachsen nicht zu weit ist, dem sei dieser Nervenkitzel sehr empfohlen!

Schloss Colditz: Blick von Süden

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Thema: Architektur | Kommentare (0) | Autor: Steffen