Cormac McCarthy: Die Straße
Sonntag, 22. August 2010 18:52
So düster und ausweglos ist kein anderer Roman. Vater und Sohn (Namen sind schon lange nutzlos) schleppen sich durch eine verbrannte Welt. Die Hoffnung, im Süden auf Leben zu treffen, treibt sie an. Doch ganz allein sind sie nicht. Ständig lauern wahnsinnige, bestialische Menschen auf Fleisch - die Konservenvorräte der Welt neigen sich dem Ende, Tiere und Pflanzen sind tot.
Was genau zur Apokalypse führte, wann und wo alles passierte, wie lange die beiden schon unterwegs sind - darüber schweigt der Erzähler. Die wenigen Dialoge zwischen Vater und Sohn sind genauso karg und hoffnungslos wie alles um sie herum. In sehr kurzen Sätzen versichern sie sich gegenseitig immer wieder die letzten Wahrheiten.
Ständig regnet es, sie frieren, die Sonne schafft es nicht durch die Asche-Wolken. Begegnungen mit anderen Überlebenen können stets im Tod enden. Doch zum Schluss scheint es einen Schimmer Hoffnung zu geben: Ein Fisch schwimmt in einem Bach.
“Die Straße” wurde 2007 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet und vor kurzem mit Viggo Mortensen und Charlize Theron verfilmt (deutscher Kinostart am 7.Oktober). Er beeindruckt nicht durch Brutalität oder Horror, sondern gerade durch das Nicht-Gesagte, durch seine Offenheit. So ist es am Leser, sich seine Gedanken zu machen, so sind es die in wenigen Sätzen skizzierten Endzeit-Bilder, die einen nicht mehr loslassen.
Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: Steffen
