Beiträge vom Juni, 2010

Geo Epoche Edition: Barock

Sonntag, 27. Juni 2010 13:48

Ein neues Kunstmagazin auf dem deutschen Zeitschriftenmarkt: Seit April liegt das erste Heft von Geo Epoche Edition in den Läden. Wie das Geschichtsmagazin Geo Epoche wird sich auch der Ableger in jedem Heft mit einem einzigen großen Thema beschäftigen. Da der umständliche Magazinname nicht darauf schließen lässt, worum es geht, muss ein Untertitel helfen: “Die Geschichte der Kunst”. Thema der ersten Ausgabe ist sehr passend der Barock.

Denn welche andere Epoche der Kunst legte mehr Wert auf farbenfrohe Gemälde und Fresken, überwältigende Architektur und ausufernde Inszenierungen von Theater bis Landschaft? Die großformatigen und hervorragenden Abbildungen von sehr vielen Gemälden, einigen Gebäuden und Skulpturen zeigen so viel von dieser Pracht, wie kaum ein klassischer Kunstkatalog. Bei einigen Fotos erkennt man sogar die Textur der Leinwand oder Risse im Putz des Freskos. Eine ganz eigene, moderne Collage-Ästhetik bestimmt die Architekturdarstellung: Die barocken Kirchenfassaden werden ausgeschnitten und auf schwarzem Grund nebeneinander gelegt.

Auf mehr als 130 Seiten wechseln sich Bildstrecken und längere Texte, die ebenfalls reich bebildert sind, miteinander ab. Die Bildstrecken widmen sich mit meist doppelseitigen Abbildungen und sehr kurzen, allgemeinen Bildtexten den spezifischen Formen des Barock in Rom, Frankreich, den Niederlanden und den sog. Deutschen Staaten. Und natürlich sind alle barocken Klassiker vom Petersdom bis Poussin, von Rembrandt bis Rubens mit dabei. Caravaggio bekommt gleich einen kompletten Lebenslauf, der sich allerdings mehr auf seine Abenteuer und Gewalttaten bezieht als auf seine Kunst. Neuere Forschungen relativieren inzwischen den angeblich so brutalen Lebenswandel.

Auch die anderen Texte sind leicht bekömmliche Anekdotensammlungen für zwischendurch. Gerade bei einem so interessanten Thema wie der barocken Festkultur verliert sich die Autorin Birgit Lahann in ewig langen und immergleichen Aufzählungen der Feiern in Rom, Versailles und Dresden. Wo die Bildredakteure auf einigen Seiten Spannendes ausprobieren (zum Beispiel 18 Selbstporträts Rembrandts auf einer Doppelseite) bleiben die Schreiber in ihren Texten traditionell bis langweilig. Warum zum Beispiel nicht mal eine genauere Bild- oder Architekturbetrachtung? Hin und wieder tauchen aber dennoch interessante Details auf, die mehr über den doch vielschichtigen Barock sagen, als die ständig wiederholten Klischees: Eine Mondsichelmadonna von Cigoli wird auf einem pockennarbigen Mond gezeigt, der so aussieht, wie Galilei ihn beschrieben hat.

In den anderen Geo-Heften sonst üblich, fehlen in Geo Epoche Edition leider die Literaturtipps. Zwar sind Bücher wie Francis Haskells “Maler und Auftraggeber” wohl nichts für den interessierten Laien, doch Ausstellungskataloge zum Thema sind oft gute Einführungen. Ebenfalls fehlen Angaben, wo sich die gezeigten Kunstwerke befinden. Aus dem kryptischen Fotonachweis sucht sich niemand heraus, in welchem Museum das Bild hängt. Denn auch wenn Geo Epoche Edition mit Sicherheit ein Fest für das Auge  ist, den Anblick des Originals kann selbst das schönste Foto nicht ersetzen.

GEO EPOCHE EDITION “Barock”
132 Seiten im Großformat
15,90 Euro

Thema: Kunst | Kommentare (1) | Autor: Steffen

Neue Literatur aus Amerika: Meyer, Morgan, Galchen

Samstag, 19. Juni 2010 13:21

20 Autoren unter 40. Im aktuellen Summer Fiction Issue des New Yorker werden Kurzgeschichten junger amerikanischer Autoren vorgestellt. Natürlich kann man gleich hinterfragen, was heutzutage jung oder amerikanisch denn eigentlich bedeutet. Aber weil sich die Herausgeber bei der Mischung der 20 Autoren große Mühe gegeben haben, ist die Auswahl bunt und abwechslungsreich. Und ein Tipp für deutsche Leser allemal, da viele Autoren gerade erst oder noch gar nicht übersetzt wurden. Daher will ich hier drei Autoren und ihr Werk vorstellen.
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Thema: Literatur | Kommentare (1) | Autor: Steffen

Leo Perutz: Der Meister des Jüngsten Tages

Montag, 14. Juni 2010 20:35

Eine Reihe rätselhafter Selbstmorde erschüttert Wien. Gottfried Adalbert Freiherr von Yosch und Klettenfeld, so der komplette Name des Ich-Erzählers, schwört im Vorwort, die volle Wahrheit wiederzugeben. Doch nicht nur weil er selbst direkt in die Ereignisse verwickelt ist, sondern vor allem weil er sich oft widerspricht und andere Personen Kritisches über ihn äußern, sollte man als Leser vorsichtig mit Yoschs Schilderungen umgehen.
Weil nun aber so unmittelbar von den tragischen Selbstmorden (oder doch Morden?) berichtet wird, der kurze Roman vor An- und Vorausdeutungen nur so wimmelt, ist man sofort und bis zur letzten Seite gefesselt.
Dass Adorno, Benjamin und Borges zu den Fans von Perutz’ “Der Meister des Jüngsten Tages” zählten, zeigt ja schon, dass der Roman mehr ist als ein ganz normaler Krimi. Perutz baut psychoanalytische Erkenntnisse genauso clever in seinen Text wie Fragen der Moral, Identität und Realität.
Zum Inhalt wird jetzt nicht viel verraten. Nur soviel: Wer Umberto Ecos “Der Name der Rose” spannend aber zu dick fand, sollte zu Perutz greifen! Wer sich vorher doch informieren möchte, liest den umfangreichen Wikipedia-Eintrag. (Nur der genaue Titel des am Romananfang gespielten Brahms-Stückes muss nachgereicht werden: H-Dur-Trio op.8.)

Thema: Literatur | Kommentare (2) | Autor: Steffen

Das Haus aus “A Single Man”: Schaffer Residence von John Lautner zu verkaufenn

Dienstag, 8. Juni 2010 10:31

Zwischen ganz viel Werbung in der neuen Monopol entdeckt: Das großartige Haus aus Tom Fords Isherwood-Verfilmung “A Single Man” steht zum Verkauf. Genau das Haus, in dem Colin Firth (als melancholischer Literaturprofessor) sich mit Julianne Moore betrinkt, wo er in der Küche Zettel für die Haushälterin schreibt und wo er sich schließlich auf den Selbstmord vorbereitet.
Gebaut wurde die Schaffer Residence in Glendale, Kalifornien schon 1949 von John Lautner, einem Schüler Frank Lloyd Wrights. Den Einfluß Wrights erkennt man auch sofort an der Einbettung des Gebäudes in die Landschaft, an den unregelmäßigen Räumen und den natürlichen Materialien wie Redwood. Preis für eines der Lieblingshäuser von u.a. Frank O. Gehry: 1.495.000 $.

Thema: Architektur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Grimme Online Award 2010

Samstag, 5. Juni 2010 12:28

Nein, noch ist nicht klar, wer von den 24 Nominierten in diesem Jahr den Preis gewinnt. Für mich allerdings steht der Sieger bereits fest: Der Umblätterer! Ok, die Mini-Texte von Florian Meimberg sind auch nicht schlecht aber gegen die geballte Macht des Consortium Feuilletonorum Insaniaeque kommt keiner an.
Wo sonst liest man so detailgenau von Rainald Götz’ Auftritt bei Harald Schmidt? Wer sonst sammelt so schöne Vossianische Antonomasien? Und wo sonst werden heute noch Leo Perutz und John Flaxman gefeiert?
(Einziger Wermutstropfen waren für mich als Nicht-Seher allerdings die “Lost”-Zusammenfassungen. Aber die letzte Folge ist ja zum Glück gelaufen!)
Bei TV Spielfilm kann man übrigens selbst abstimmen.

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: Steffen