Keiko Sadakane. Paravento Regale. Museum für Asiatische Kunst Berlin

Schon der Weg in die kleine Ausstellung mit drei Werken der Japanerin Keiko Sadakane (geb. 1948) ist nicht leicht zu finden. Aber die Suche nach dem Raum im ersten Obergeschoss des Museums für Asiatische Kunst lohnt sich. Denn in den anderen, besser ausgeschilderten Sonderausstellungen im Betonklotz der Museen Dahlem („Tuchintarsien in Europa“ und „Buddhas erbarmungsvolle Helfer„) wird der Intellekt des Betrachters wohl kaum so herausgefordert, wie bei einer Konfrontation mit den Objekten von Keiko Sadakane.

Im Mittelpunkt steht das Werk „Paravento Regale“; 33 quadratische, gold glänzende Messingtafeln, auf denen je ein japanischer, deutsch-österreichischer oder niederländischer Begriff zu lesen ist. Ausführung und Hängung erinnern an Objekte der Minimal Art. Doch wo dort auf nichts, als auf sich selbst verwiesen werden soll, öffnet sich hier ein regelrechtes Netzwerk an Verweisen. Kopien mit einem Glossar der verwendeten Begriffe helfen bei der Spurensuche: Calumbak z.B. ist die niederländische Bezeichnung für ein Aloeholz, das von den Ostindischen Inseln nach Japan importiert wurde, um daraus Räucherstäbchen herzustellen. De Liefde, niederländisch für Liebe, hieß das holländische Schiff, das 1600 in Japan strandete und dessen Kapitän es gelang, den 250 Jahre dauernden exklusiven Handelsvertrag zwischen Japan und Holland einzufädeln. Armillarsphäre, Pämäräntschen, Oliphant: Jedes der Worte hat viel Historie aufzuweisen und so entsteht schließlich ein weit verzweigtes Beziehungsgeflecht zwischen Ost und West.

Auch der Titel des Kunstwerks selbst hat Verweischarakter. Zum einen zitiert er Joseph Beuys‘ letzte große Intallation „Palazzo Regale“ und zum anderen wurde die Künstlerin durch den Fund eines japanischen Paravants aus dem 17. Jahrhundert im Barockschloss Eggenberg in Graz inspiriert. Auf diesem königlichen Wandschirm ist das Schloss Osaka zu sehen, in dem der einflussreiche Feldherr und Politiker Toyotomi Hideyoshi wohnte. Hideyoshi herrschte 33 Jahre – aus genauso vielen Teilen besteht der „Paravento Regale“. Dass diese Verweisdichte nur mit Zusatzinformationen (wie z.B. einem Aufsatz des Kurators Alexander Hofmanns auf der Homepage der Künstlerin) entschlüsselt werden kann, merkt man schnell bei den beiden anderen ausgestellten Objekten: „Pro Felix Augustus“ (13 Porzellanteller) und „Dubitatio“ (eine Holzpyramide mit Glasvitrinen) lassen Bezüge nur erahnen. Dass die angekündigte Porzellankanne aus Hohenzollernbesitz fehlt, ist schade. Als Gegenstück zu den zeitgenössischen Tellern hätte sie Anregungen auch für Uneingeweihte liefern können. Nur die wenigsten Besucher werden daheim nachrecherchieren. Doch sehenswert ist die kleine Ausstellung, die noch bis 30. August 2009 läuft, trotzdem.

Einen Dialog zwischen Ost und West gibt es bekanntlich auch in der Musik. Und so veranstaltet die Deutsche Gesellschaft für Ostasiatische Kunst passend zum Thema der Ausstellung am 9. Juli ein Konzert mit Stücken von Fukushima, Yun, Cage und Scelsi.

PS: Pämäräntschen ist Österreichisch für Orangen!

3 Kommentare

  1. Hallo Steffen,

    wie kommt’s?
    Ich finde es wunderbar, das Du unser Konzert erwähnst-wenn Du möchtest bist Du (und alle Freunde)herzlich zum ermäßigten Eintritt eingeladen und ich würde Dich dann gerne Keiko Sadakane vorstellen – sie wird am 9.7. hierher kommen.

    Ich bin die Moderatorin und Organisatorin dieser Veranstaltungssreihe.

    Herzlichst
    Annette

  2. Ein sehr interessanter Abend! Wann hört man schon mal, wie auf Schneckenmuscheln musiziert wird?!
    Auch was die Künstlerin zu ihrem Werk erzählt hat, war sehr erhellend.

    (Für alle Mitleser: Die sehenswerte Ausstellung läuft noch bis Ende August!)

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