Beiträge vom Mai, 2009

Fritz Höger: Evangelische Kirche am Hohenzollernplatz Berlin

Samstag, 30. Mai 2009 9:34

Fritz Höger: Kirche am Hohenzollernplatz (1930-33)

Fritz Högers (1877-1949) Kirche am Hohenzollernplatz aus den frühen 30er Jahren weist viele für den Architekten typische Merkmale auf: Der Bau ist aus klaren Formen zusammengesetzt und die Flächen sind mit einem kleinteiligen Klinkerdekor überzogen. Sein berühmtestes Werk, das Hamburger Chilehaus, besitzt eine ähnliche Oberflächenstruktur. Ungewöhnlich sind die auf den ersten Blick kaum zu erkennenden Fenster, die schmal zwischen den vertikalen Strukturen liegen. Durch eine spitzbogige Portalnische betritt man die 1943 ausgebrannte, bis 1961 wieder aufgebaute und 1991 sanierte Kirche. Der Spitzbogen gibt gleichzeitig die Struktur des Innenraums vor, zwischen den 13 Bögen im Inneren scheint das Licht durch farbige Fenster. Formen, Farben und Oberflächen machen die Kirche zu einem Hauptwerk des Expressionismus in Deutschland. Mehr zur Geschichte der Kirche auf der Homepage der Hohenzollerngemeinde.

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Thema: Architektur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Werner Busch: Das unklassische Bild

Donnerstag, 28. Mai 2009 9:36

Schon wieder ein Buch über die Geschichte der Kunst! Doch auch wenn im Klappentext Renaissance bis 19. Jahrhundert als Zeitraum angegeben wird, liefert Werner Busch kein herkömmliches Überblickswerk. Im Gegenteil: Vom Berliner Kunsthistoriker kommt nichts weniger als eine überzeugende Theorie, die einen neuen Zugang zu Malerei und Grafik aus eben dieser Zeit ermöglicht. Die Geschichte der Kunst kann man heute aus vielen unterschiedlichen Perspektiven erzählen: Ob aus Sicht der Gattungen oder im Hinblick auf einzelne Künstlerbiografien - die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Umso bestechender ist Buschs Spurensuche nach dem sogenannten Unklassischen. Von Tizian in Italien (16. Jh.) geht es über Rembrandt in Holland (17. Jh.) bis hin zu Constable in England  (18. Jh.) - immer wieder verdichtet sich die Theorie an bestimmten Punkten. Als Leser hat man stets das Gefühl, hier auch das Rüstzeug für den nächsten Galeriebesuch mitzubekommen - auch wenn gerade die drei Meister nicht ausgestellt sind.

Doch was ist eigentlich ein unklassisches Bild? Spätestens im 19. Jahrhundert verlor die in Kunstakademien entwickelte und verbreitete klassisch idealistische Kunsttheorie an Bedeutung. Seitdem ist auch eine Unterscheidung in klassisch und unklassisch hinfällig. Doch bis damals galt alles, was sich dieser idealistischen Theorie nicht unterordnen ließ, alles, was seit der Antike das negative Gegenstück zum klaren, korrekten, beherrschten Klassischen war, als unklassisch. Das Unklassische ist also alles Unklare, Unkorrekte und Unbeherrschte. Zitat Busch: “Der klassische Künstler [...] gibt die Natur wieder, wie sie sein soll, der unklassische, wie sie ist.” Und so lassen sich in der gesamten Kunstgeschichte des betreffenden Zeitraums gegensätzliche Künstlerpaare finden, die all dies verkörpern: Raphael und Michelangelo, Rubens und Rembrandt, Turner und Constable, Ingres und Delacroix, Joseph Anton Koch und Caspar David Friedrich. Zugrunde liegt all dem das alte idealistische Modell der Gegenüberstellung von Linie und Farbe. Dass Busch in seinen 14 Kapiteln aber auch noch viele andere Belege für das Unklassische im Werk einzelner Künstler findet, macht sein Buch nicht nur abwechslungsreich, sondern an manchen Stellen regelrecht spannend.

Der Einfluss der Naturwissenschaften auf die Künstler des 18. Jahrhunderts und die konkreten Folgen etwa von Newtons Ideen in Gemälden von Joseph Wright of Derby wird ebenfalls untersucht. So malte Wright seine späten Landschaften in den ungewöhnlichsten Farben. Für Busch ist das ein Beleg dafür, dass sich die unklassischen Künstler schon früh mit naturwissenschaftlichen, hier auch farbtheoretischen, Fragen auseinandersetzten. Diese völlig logisch hergeleiteten Überlegungen sind äußerst beeindruckend. An den vielen erstklassigen Abbildungen kann man die Thesen dann auch gleich selbst überprüfen. Und auch wenn beim Leser einige Grundkenntnisse in Sachen Druckgrafik, Ikonografie und Kunsttheorie vorausgesetzt werden, hat Werner Buschs “Das unklassische Bild” (C.H.Beck, 29,90 €) selbst das Zeug zum Klassiker.

Thema: Kunst, Literatur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Royal Academy of Arts London: Kuniyoshi

Mittwoch, 27. Mai 2009 8:45

Utagawa Kuniyoshi in der Royal Academy of Arts in London

Noch ein paar Tage ist in der Royal Academy of Arts eine wunderbare Ausstellung mit Farbholzschnitten des Japaners Utagawa Kuniyoshi (1797-1861) zu sehen. Über 150 Drucke des jüngeren Konkurrenten vom in Europa bekannteren Katsushika Hokusai (1760-1849) zeigen, wie unglaublich vielfältig und kreativ die Künstler auch in der letzten Phase des sogenannten Ukiyo-e (Sammelbegriff für bürgerliche Populärkultur vom 16. bis zum 19. Jahrhundert) waren. Die Ausstellung ist in sechs thematische Blöcke gegliedert und zeigt Illustrationen zu Heldensagen, Frauenporträts, Landschaften, Theaterszenen und Satiren. Reale Ereignisse aus der japanischen Geschichte (die aufgrund strenger Zensurbestimmungen aber immer nicht genau benannt werden durften) haben Kuniyoshi genauso inspiriert wie das zeitgenössische Kabuki-Theater. Besondere Highlights der Schau sind allerdings die satirischen Blätter, in denen der Künstler Tiere, z.B. Kraken, wie Menschen agieren lässt. Dass japanische Kunst die Europäer beeinflusst hat, ist inzwischen bekannt. Aber dass ein Austausch auch in die andere Richtung stattfand, wird in London am Original bewiesen: Kuniyoshi benutzte Motive niederländischer Illustrationen für eigene Werke. In der Ausstellung werden beide nebeneinander gezeigt. Für alle die sich jetzt durch Kuniyoshis Werk klicken wollen, sei diese Seite empfohlen.

Thema: Kunst | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Ein Ort mit Geschichte(n): Charing Cross Road Nr. 84 heute

Montag, 25. Mai 2009 9:13

84 Charing Cross Road, London

Dieses Buch ist Pflichtlektüre für alle Literaturliebhaber und alle Bibliomanen: Helene Hanffs “84 Charing Cross Road” (1970) wurde in der englischsprachigen Welt schnell ein Klassiker. Doch schon bald nach Erscheinen musste das Londoner Antiquariat Marks & Co. schließen. Im Mai 2009 steht das Geschäft in der belebten Charing Cross Road schon wieder leer, ein Schild am Haus weist darauf hin, dass es zu vermieten ist. Immerhin findet sich eine Gedenkplakette an der Hauswand. Schräg gegenüber, im Palace Theatre, läuft übrigens gerade das Musical “Priscilla”. mehr Fotos

Thema: Literatur | Kommentare (6) | Autor: Steffen

Nominiert für den Grimme Online Award: VolksLesen.tv

Samstag, 23. Mai 2009 10:44

Hier lesen SPD-Fraktionsmitglieder aus Patrick Süskind, Professoren aus dem Kommunistischen Manifest und Steuerberater aus Judith Hermann. Jede Woche präsentieren vier Menschen aus den unterschiedlichsten Gruppen der Gesellschaft auf VolksLesen.tv ein paar Absätze aus Büchern, die ihnen viel bedeuten. Anders als das ähnliche zehnseiten.de (mehr darüber hier) besticht VolksLesen durch die subjektive Textauswahl, durch den heimeligen Auftritt und natürlich durch die sympathischen Leser, die nicht so oft vor der Kamera stehen (wie z.B. Helga aus Berlin). Also Daumen drücken für den Grimme Online Award und bei TV Spielfilm für den Publikumspreis abstimmen!

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Slightly Foxed: Ein Literaturmagazin für unabhängige Leser

Donnerstag, 21. Mai 2009 10:14

Vier mal im Jahr erscheint in London ein auf den ersten Blick etwas unscheinbares Literaturmagazin, dessen Name übersetzt so viel bedeutet wie “leicht stockfleckig”. Hier geht es um Bücher, die nicht stapelweise auf den Bestseller-Tischen der Buchläden liegen (oder lagen). Dass viele Veröffentlichungen, auch oft älteren Datums, es durchaus verdient haben, gelesen zu werden, ist das Hauptanliegen der Herausgeber und Autoren von “Slightly Foxed“. Ohne viel Drumherum (keine Fotostrecken, keine Leserbriefe, keine Gewinnspiele) stellen unterschiedliche Autoren (meist selbst Schriftsteller, auch mal Buchhändler oder Kritiker - allesamt also erfahrene Leser) ihre Lieblingsbücher vor. Häufig sind diese nicht mehr lieferbar und in einer Fußnote wird man darüber aufgeklärt, in welchem Verlag das besprochene Buch wann zuletzt erschienen ist. Dabei können Romane genauso wie Kinderbücher, Biografien oder Sachbücher besprochen werden. Heft 18 (Sommer 2008) beispielsweise brachte Klassiker der Reiseliteratur, von denen einige auch auf Deutsch erschienen (u.a. Nicolas Bouvier: “Die Erfahrung der Welt“). Aber es gab auch Essays zu Virginia Woolfs “Mrs. Dalloway” oder zum im Königreich gern gelesenen W.G. Sebald (”Die Ringe des Saturn“). Inzwischen erscheinen bei “Slightly Foxed” auch eigene Bücher, allesamt vergessene Perlen, die wie die in den Rezensionen besprochenen nur darauf warten, entdeckt zu werden.

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Eduardo Paolozzi: Newton

Mittwoch, 20. Mai 2009 11:47

Eduardo Paolozzi: Newton

Eduardo Paolozzi: Newton (after Blake)

Der in Schottland geborene Paolozzi (1924-2005) war einer der wichtigsten britischen Pop Art-Künstler. Neben Drucken und Collagen sind vor allem seine Arbeiten für den öffentlichen Raum berühmt. Zum Beispiel die Mosaike für die Londoner U-Bahn-Station Tottenham Court Road oder die Skulptur “For Leonardo” direkt neben der Alten Pinakothek in München. 1995 schuf Paolozzi nach Motiven von William Blake (1757-1827) eine überlebensgroße Skulptur von Isaac Newton für den Innenhof der British Library in London.

Thema: Kunst | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Star Trek und die Philosophie

Dienstag, 19. Mai 2009 10:03

Die philosophischen Dimensionen einer Star Trek-Episode hat ja schon Richard David Precht in seinem Buch “Wer bin ich und wenn ja, wie viele?” untersucht. (”Mr. Spock liebt. Was sind Gefühle?”) Im letzten Jahr erschien mit “Star Trek and Philosophy. The Wrath of Kant” in den USA ein ganzes Buch, dass sich den philosophischen Hintergründen der Fernsehserie widmet. Laut Verlag liegt die Gemeinsamkeit zwischen der Serie und der Philosophie  in dem Austesten von Ideen mit dem Ziel, unsere Zukunft stufenweise zu verbessern. Sage und schreibe 21 große Denker, von Wittgenstein bis Nietzsche, ziehen die beiden Autoren, Philosophie-Professoren in Washington und Indiana, heran. Dass solche Bücher auch auf dem Markt bestehen, zeigt die breite Produktpalette des Verlags: Seinfeld, Buffy, James Bond, Radiohead und natürlich die Simpsons wurden bereits philosophisch gedeutet.

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Helene Hanff: Briefe aus New York

Montag, 18. Mai 2009 9:36

Erst der Briefwechsel mit London, dann die Reise nach London und jetzt Briefe aus New York für London. Helene Hanffs letztes Buch basiert auf kurzen New Yorker Alltagsberichten, die die BBC,  wohl wissend um die vielen englischen Hanff-Fans, bei ihr in Auftrag gegeben hat. So geht es jetzt auch nicht mehr um Antiquariate und Bücher, sondern um das Leben in der Mega-City New York. Gewohnt unterhaltsam berichtet die allein lebende Helene von Spaziergängen im Central-Park, von wahnwitzigen Shopping-Erlebnissen (graue Hosenanzüge in Größe 4) und mit welch logistischer Höchstleistung sie in ihrem Mini-Apartment ein Essen für 20 Freunde vorbereitet. Man erfährt einiges aus der Geschichte der Stadt, z.B. warum Neufundland Neufundland heißt oder warum die Radio City Music Hall in den 70ern beinahe abgerissen wurde. Und es gibt jede Menge Hunde-Anekdoten, denn auch wenn Helene selbst kein Haustier hat (Wohnung viel zu klein!), ist sie regelrecht vernarrt in Hunde. Im Nachwort steht am Ende ein wahrer Satz: “Und wer noch niemals in New York war, wird, wenn er dieses Büchlein zugeklappt hat, das kaum zu zähmende Verlangen verspüren, eine Reise dorthin zu buchen, umgehend.” Stimmt!

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: Steffen

Brötchenwatte

Sonntag, 17. Mai 2009 9:08

Wie nennt man eigentlich das Innere eines Brötchens? Bei dem vor kurzem zu Ende gegangenen 3sat-Wettbewerb “Uns fehlen die Worte” wurde dazu aufgerufen, die weißen Flecken im deutschen Wortschatz kreativ und eindeutig zu füllen. Aus mehr als 1000 Einsendungen wurden 70 neue Worte ausgewählt, die zusammen mit Texten der Jurymitglieder (u.a. Axel Hacke, Kathrin Passig, Rafik Schami und Feridun Zaimoglu) jetzt bei dtv veröffentlicht werden. Neben der Brötchenwatte haben Regenwürze (Geruch nach einem Sommerregen), balzwund (jemand, der unter Liebeskummer leidet) und nörrisch (ein nörgeliger und mürrischer Mensch) den Beifall der Jury gefunden. So schön kann die deutsche Sprache sein!

Thema: Literatur | Kommentare (1) | Autor: Steffen