Beiträge vom April, 2009

Stolz und Vorurteil und Zombies

Samstag, 11. April 2009 17:43

Man nehme einen Klassiker der Literaturgeschichte und füge ein paar schaurige Untote  hinzu. Und schon hat man einen Skandal und das Buch stürmt die Bestsellerlisten. So gerade geschehen mit Jane Austens “Pride and Prejudice”, das der amerikanische Schriftsteller Seth Grahame-Smith (Autor von Büchern wie “How to Survive a Horror Movie” und “The Big Book of Porn”) mit jeder Menge Horror-Elemente vermischte und zu “Pride and Prejudice and Zombies” aufmotzte. Die Handlung bleibt in den Grundzügen gleich, doch ist diese Welt bevölkert von fiesen und gefährlichen Zombies. So muss Mr. Bennet also selbst für eine gute Kampfkunstausbildung seiner Töchter sorgen. Und da die Mädels persönlich eine Zombie-Attacke auf Mr. Bingleys Party vereiteln, steht Jane plötzlich ganz hoch in Bingleys Ansehen. (Den Rest des Inhalts hier.) Der Verlag verkündet inzwischen, dass das Buch nicht mehr lieferbar sei. Und im New Yorker äußert ein Literaturprofessor die Vermutung, dass diese neue Textgattung (genannt Mashup) erst durch das Internet möglich geworden ist. Ganz ehrlich: Was in Musik, Malerei, Mode gut klappt, kann doch auch in der Literatur funktionieren. Also her mit der deutschen Übersetzung und noch mehr durchgeknallten Mashups!

Nachtrag 22.06.2009: Oliver hat das Buch inzwischen gelesen und ausführlich in seinem OliBlog besprochen. Er vergibt beachtliche 7 von 10 Punkten!

Thema: Literatur | Kommentare (2) | Autor: mulliner

Picturing America. Fotorealismus der 70er Jahre. Deutsche Guggenheim Berlin

Dienstag, 7. April 2009 16:18

Realismus. Kaum ein Begriff wird zur Beschreibung von Kunst oder gar als Qualitätskriterium häufiger benutzt. Ob antike Fresken (Tauben lassen sich von gemalten Weintrauben täuschen), niederländische Stillleben (die samtweiche Haut von Pfirsichen) oder barocke Porträts (gemalte Augen, die einen quer durch den Raum nachblicken) - durch alle Epochen der europäischen Kunstgeschichte ziehen sich Elemente realistischer Wiedergabe von Wirklichkeit. Allerdings: Kunst ist niemals realistisch! Auch nicht die atemberaubenden Gemälde der 17 amerikanischen Künstler, die derzeit in der Deutschen Guggenheim Berlin zu sehen sind. In vier Ausstellungsräumen werden noch bis zum 10. Mai insgesamt 32 super-/hyper-/ bzw. fotorealistische Kunstwerke gezeigt, die allesamt in den Jahren 1967 bis 1982 enstanden. Auch wenn inzwischen mehr als 25 Jahre seit der Entstehung vergangen sind; das Begriffschaos der Kunsthistoriker und Kritiker bleibt. Die Gemälde wurden logischerweise nach den Motiven sortiert: Stadt, Konsum, Alltagsleben. In einer Ecke hängen Lithografien aus einer Mappe, die 1972 für die documenta 5 von mehreren Künstlern zusammengestellt wurde. Dass die Arbeit nach realen Fotografien eine der wenigen Gemeinsamkeiten aller Maler ist, erfährt der Besucher zwar, doch wie die einzelnen Künstler diese Fotos genau auf die Leinwand gebannt haben, ist höchst unterschiedlich. Auch die Auswahl der Motive (leere Straßen, möglichst viele Spiegelungen und Szenen, so alltäglich wie möglich) lässt darauf schliessen, dass da nicht einfach nur Wirklichkeit nachgebildet, vielmehr eine eigene “Überwirklichkeit” inszeniert wurde. Doch bei allen offenen Fragen, überwiegt die Begeisterung und das Staunen, endlich so viele erstklassige Beispiele einer oft verpönten Kunstrichtung zu sehen!

Thema: Kunst | Kommentare (1) | Autor: mulliner

Hightech und Harmonie: Das Science Center Medizintechnik in Berlin

Montag, 6. April 2009 10:59

Ein neues Berliner Architektur-Highlight, ganz in der Nähe des trostlosen Leipziger Platzes steht kurz vor der Vollendung. Im Juni 2009 öffnet die Otto Bock Healthcare GmbH in der Ebertstraße 15a ihr Science Center Medizintechnik. Das von dem Büro Gnädinger Architekten entworfene Haus wird neben Seminarräumen auch eine für die Öffentlichkeit zugängliche Ausstellung beherbergen, in welcher das 1914 gegründete Unternehmen neueste Entwicklungen aus der Medizintechnik zeigen will. Dass die äußere Hülle des Gebäudes an natürliche Formen erinnert, ist kein Zufall: Die unregelmäßigen Bänder sind der Struktur von Muskelfasern nachempfunden. Harmonie von Technik und Mensch als Motto für die Architektur - passend zu einem Unternehmen, das neben Rollstühlen auch Orthesen und Prothesen herstellt. Doch egal, wie man das Gebäude auch deutet - nach den einfallslosen Hochhäusern am Potsdamer Platz und der 08/15-Rasterarchitektur auf dem Leipziger Platz endlich ein Hingucker in Berlins Mitte!

Otto Bock Science Center Berlin Gnädinger Architekten
Otto Bock Science Center April 2009 Berlin
Otto Bock Health Care Ebertstraße Berlin

Thema: Architektur | Kommentare (0) | Autor: mulliner