Beiträge vom März, 2009

Videokunst: “Wrong” von Depeche Mode

Montag, 16. März 2009 10:46

Für das Musikvideo zur ersten Single ihres am 20. April erscheinenden neuen Albums “Sounds of the Universe” haben Depeche Mode erneut einen erstklassigen Regisseur verpflichtet. “Wrong” wurde diesmal nicht vom Depeche Mode-Liebling, dem Niederländer Anton Corbijin, dessen Film “Control”  im letzten Jahr in den Kinos lief, in Szene gesetzt, sondern vom jungen amerikanischen Regisseur Patrick Daughters. Dass Daughters ein ebenso begnadeter Künstler ist, bewies er bereits mit Videoclips für Feist (”1234″) oder Beck (”Nausea”). In “Wrong” zeigt er ein rückwärts fahrendes Autos im nächtlichen Los Angeles. Was ziemlich rätselhaft beginnt, entwickelt sich immer mehr zum unentrinnbaren Alptraum: Ein Gefesselter wacht in dem präparierten, immer schneller durch den Verkehr rasenden Auto auf. Durch seine gruselige Maske blickt er auf die Leute, die sein Auto gleich überfahren wird, sieht Passanten, die ihm nicht helfen können. Ein dreieinhalb Minuten langer Thriller mit Referenz an David Lynch!

Thema: Kunst | Kommentare (2) | Autor: mulliner

Meyer, Boyle, Scheck - Die Leipziger Buchmesse 2009

Samstag, 14. März 2009 12:15

Buchmesse: Die Leute drängen sich in den Hallen, in den Händen große Tüten randvoll mit Verlagsprospekten (und geklauten Büchern?). Deutschlands kleine und unabhängige Verlage präsentierten ihre Autoren auf einer gemeinsamen Lese-Insel. Für den Leipziger Verlag Voland & Quist (hier der Verlagsblog) stellte Publikumsmagnet Clemens Meyer (”Als wir träumten”) am Donnerstag den serbischen kroatischen Autor Edo Popović vor und las aus dessen Buch “Die Spieler”. (Ein seinem FAZ-Blog schreibt Meyer warum er den Roman so gut findet.) Noch mehr Messe-Besucher wollten am Freitag T.C. Boyle live erleben (mehr zu seinem neuen Roman “Die Frauen” hier): Der Meister zeigte sich trotz (oder gerade wegen?) einer sehr nervösen Jung-Moderatorin sehr souverän und sorgte für einige Lacher (Videomitschnitt der Leipziger Volkszeitung). Literaturkritiker Denis Scheck (“Druckfrisch”), ebenfalls bekennender Boyle-Fan, bewies mal auf dem Stand der ARD, mal im gläsernen Studio des Deutschlandfunks, dass er es auch live versteht, die Leute mit seiner Literaturbegeisterung anzustecken. Seinen Interviews z.B. mit Sibylle Lewitscharoff (Preis der Leipziger Buchmesse für den Roman “Apostoloff”) merkte man von der ersten Minute an, dass er die Bücher, über die er spricht auch gelesen hat! Und da war doch noch was? Der lang erwartete Verkaufsstart vom E-Book PRS-505 von Sony löste in Leipzig keine Begeisterungsstürme aus. Knapp 300 Euro für ein Gerät, das von den technischen Entwicklungen längst überholt wurde, sind selbst für Fachleute zu viel. Vorherrschende Meinung: Es braucht kein extra E-Book, vielmehr wird es bald Kombi-Geräte geben, mit denen man lesen, surfen, schreiben, telefonieren, Musik hören und Filme gucken kann. Umso wichtiger bleibt allerdings die Frage für Verlage, in welcher Form sie in Zukunft ihre Bücher vertreiben und wie geistiges Eigentum im digitalen Zeitalter zu sichern ist.

Thema: Literatur | Kommentare (2) | Autor: mulliner

Herbert Tobias - Blicke und Begehren

Montag, 9. März 2009 9:04

Rauchende Diven, träumende Männer und der halbnackte Andreas Baader - kaum ein deutscher Fotograf der Nachkriegszeit hinterließ ein so stimmungsvoll-abwechslungsreiches Werk wie Herbert Tobias. Mitte der zwanziger Jahre geboren, in den Fünfzigern ein gefragter Modefotograf in Paris und Berlin, ist er heute vor allem durch seine Porträts von Leander, Kinski und Knef bekannt. Er verhalf der jungen Christa Päffgen mit Modefotos zur Weltkarriere, die sie kurz darauf unter dem Namen Nico machte. Andere Bilder sind weniger leicht fassbar: Mal scheinbare Momentaufnahmen, mal pathetisch-melancholische Inszenierungen. Die erste umfassende Tobias-Ausstellung zeigt das Lebenswerk daher nicht chronologisch, sondern treffend nach Stimmungen geordnet.
Sein Schwulsein hat Tobias nie versteckt: Ob aneinander gekettete Nackte, Genet-inspirierte Theatralik oder androgyne Selbstporträts - auch sein Männerbild ist äußerst vielschichtig. Und für viele zu anspruchsvoll: Tobias geriet in Vergessenheit, starb verarmt. Seine Bestattung übernahm 1982 das Hamburger Sozialamt. Zeit für eine Wiederentdeckung! Nach Berlin im letzten Jahr macht die Ausstellung ab 7. Mai in den Hamburger Deichtorhallen Station. Der Katalog ist bereits im Steidl Verlag erschienen.

Thema: Kunst | Kommentare (0) | Autor: mulliner

T.C.Boyle: Die Frauen

Mittwoch, 4. März 2009 15:04

Ein Roman über einen Architekten. Weniger einfallsreiche Autoren hätte wohl eine klassische Künstlerbiografie geschrieben: Lehrjahre, die Suche nach Aufträgen, die ersten Entwürfe und so weiter. Nicht so T.C. Boyle - für ihn steht das Leben Frank Lloyd Wrights, den man durchaus als Amerikas berühmtesten Architekten bezeichnen kann, im Mittelpunkt; besser gesagt seine Frauen. Boyle, der in einem echten Wright-Haus lebt, fand jede Menge romantauglichen Stoff. Ehebruch, Flucht, Mord - einige Jahrzehnte im Leben von Wright und seinen Frauen wurden von den Schlagzeilen in der Presse bestimmt. So ist Boyles Roman keine reine Biografie, sondern eher ein dramatischer Roman, der den Umgang der amerikanischen Öffentlichkeit mit einem außergewöhnlichen Mann und seinem Leben abseits der damaligen Konventionen zeigt. mehr

Thema: Architektur, Literatur | Kommentare (2) | Autor: mulliner