Beiträge vom März, 2009

Donald Windham: Dog Star

Sonntag, 29. März 2009 16:03

Dieser Typ ist ein echtes Arschloch. Er prügelt sich grundlos, schlägt seine Freundin und er knöpft Jüngeren Geld ab. Blackie ist selbst gerade mal 15, aus der Besserungsanstalt abgehauen und jetzt wieder zurück in seiner Heimatstadt. Mit der stets Whiskey trinkenden Mutter und seiner älteren Schwester (ein Baby, kein Mann) kommt er allerdings immer noch nicht klar. Doch dann trifft er Mabel, verliebt sich in sie - bis ihn Selbstzweifel und der große Wunsch, hart und ein echter Mann zu sein, wieder einholen. Sein einziger Freund Whitey hatte sich umgebracht und jetzt zieht Blackie durch die brütend heiße Stadt, markiert den großen Macker - doch ein Unwetter naht. Donald Windahms atemberaubender und zeitloser Roman “Dog Star” erzählt die Geschichte eines Jungen auf der Suche nach sich selbst. Wie bei Salingers “Fänger im Roggen” sind es keine außergewöhnlichen Ereignisse, sondern ganz alltägliche Dinge im Leben eines halbstarken Jugendlichen, die hier geschildert werden. Doch die Story hat einen unentrinnbaren Sog, einen eigenen Sound und einige Schilderungen bleiben einem noch lange im Gedächtnis. Der Münchner Lilienfeld Verlag veröffentlichte das 1950 in den USA erschienende Buch im letzten Jahr in einer packenden deutschen Übersetzung. Windham, ein Freund von Truman Capote und Tennessee Williams, erntete damals sogar Lob vom großen Thomas Mann: “Dog Star” ist “… einfach, natürlich und stark”. Recht hat er!

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“Wo die wilden Kerle wohnen” - Spike Jonze verfilmt Kinderbuchklassiker

Freitag, 27. März 2009 22:16

Björks getanzte Musical-Referenz “It’s oh so quiet” geht genauso auf sein Konto wie Daft Punks Hunde-Odyssee “Da Funk” oder die Krimiserien-Hommage “Sabotage” der Beastie Boys. Kurz: Spike Jonze ist einer der genialsten Videoclip-Regisseure aller Zeiten. Und da von dem 39jährigen Amerikaner dann noch so wunderbar verrückte Filme wie “Beeing John Malkovich” oder “Adaptation” stammen, darf man auf sein neuestes Projekt richtig gespannt sein. Jonze hat den Kinderbuchklassiker “Wo die wilden Kerle wohnen” (”Where the Wild Things Are”) von Maurice Canon verfilmt! Die berühmte Geschichte vom wilden Max, der von seiner Mutter ohne Essen ins Bett geschickt wird und daraufhin das Reich der wilden Kerle erobert, erschien schon 1963. Zwar müssen wir noch ein paar Monate auf die Verfilmung warten (Kinostart in den USA ist der 16. Oktober 2009), aber einen wunderbaren Trailer gibt es schon jetzt (noch dazu mit Musik von Arcade Fire)!.

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Grimme-Preis für “Teufelsbraten”

Mittwoch, 25. März 2009 18:00

Zu den heute verkündeten Preisträgern des renommierten Adolf-Grimme-Preises gehört “Teufelsbraten”, die zweiteilige ARD-Verfilmung des Romans “Das verborgene Wort” von Ulla Hahn. Genau jenes Buch also, das Marcel Reich Ranicki im vorletzten “Literarischen Quartett” 2001 als vollkommen missraten einstufte. Regisseurin Hermine Huntgeburth erkannte allerdings die Qualitäten des Textes und schaffte es außerdem, die Passagen in Mundart gekonnt umzusetzen. Die Grimme-Jury in ihrer Begründung: “Der atmosphärische und kulturelle Wandel von den späten 50er zu den 60er Jahren wird mit sicherem Gespür für Farben, Bilder und sprechende Szenen eingefangen, man fühlt sich im besten Sinne in eine Familiensaga und ihre Zeit entführt. [...] Großes Fernsehen, ein epischer, mitreißender Strom.”

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Sprachkunst 2.0: Wordle

Dienstag, 24. März 2009 18:55

Im Netz enstehen mitunter auch ganz wunderbare Kunstwerke. Zwar kann man sich über den Nutzen von Tag-Clouds streiten. (Tag-Clouds sind klickbare Wortballungen, deren unterschiedlich großen Bestandteile die Häufigkeit einzelner Tags anzeigen.) Aber wie der Amerikaner Jonathan Feinberg die Idee mit Worlde weitergesponnen hat, ist wirklich einmalig. Man gibt dem Java-Toy einen beliebigen Text, z.B. Blogeinträge oder Gedichte, es analysiert Wortwiederholungen und setzt sie entsprechend um. Farben, Fonts und Anordnungen sind frei wählbar und schon hat man aus einem klassischen Text eine künstlerisch wertvolle Wort-Collage mit inhaltlichen Informationen auf Meta-Ebene! .

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Die Sprache Deutsch. Deutsches Historisches Museum Berlin

Montag, 23. März 2009 12:58

Das Thema Sprache erhitzt immer wieder die Gemüter. Von vermeintlichen Sprachverunreinigungen bis zum Unwort des Jahres - stets gibt es große öffentliche Diskussionen. Warum nicht einmal die Geschichte der deutschen Sprache in einer umfassenden Ausstellung beleuchten? Vielleicht lassen sich ja aktuelle Themen geschichtlich erklären? Doch was das Deutsche Historische Museum derzeit in einer Sonderausstellung präsentiert, hinterlässt keinen bleibenden Eindruck und trägt leider auch nicht zur Meinungsbildung bei. Was sich auf der Homepage der Ausstellung so klar und verständlich präsentiert, ist vor Ort leider kaum nachzuvollziehen. Die Einteilung in Kapitel bekommt niemand mit. Die Besucher werden mit Informationen regelrecht überschüttet; in etlichen Vitrinen liegen hunderte aufgeschlagene historische Bücher (Warum gerade dieses Werk? Warum gerade diese Seite?). Die vielen kleinen Texte und der Audioguide tragen zur Verwirrung bei und erklären fast nie, warum das Objekt für die Entwicklung der deutsche Sprache wichtig ist. Je weiter man sich in den düsteren Raum begibt, desto mehr verstärkt sich der Eindruck eines wahllosen Sammelsuriums. Als ob Praktikanten alles zusammengetragen hätten, was irgendwie mit Sprache zu tun hat. Schallplattenhüllen, Brigadebücher, den Volksempfänger usw. werden gezeigt, ohne dass an einem einzigen Beispiel erklärt wird, welche Sprache sie wann und wie transportierten. Nur manchmal bekommt man wirklich etwas erklärt (in einem 20-minütigen Film) oder anschaulich präsentiert (in den wenigen Videos mit Sprachbeispielen). Technische Mängel (die Audiogeräte springen vor einigen Objekten automatisch an) und Unstimmigkeiten (die Weltkarte der Sprachverteilung zeigt andere Fakten als der entsprechende Audiobeitrag) tragen zur allgemeinen Unzufriedenheit bei. Noch bis 3. Mai 2009 im Pei-Bau des Deutschen Historischen Museums.

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Bloggende Verlage

Samstag, 21. März 2009 9:54

Es ist wie so oft; nicht die Großen probieren Neues aus, sondern die Kleinen. Und dabei sind Blogs doch schon lange keine Neuigkeit mehr. Aber wahrscheinlich sind gerade die kleinen Verlage nicht nur experimentierfreudiger in Sachen Neue Medien, sondern müssen nicht gleich gegenrechnen, wieviele Bücher sich jetzt über den Blog mehr verkauft haben. Oder ist es vielleicht eher so, dass große Häuser nur für einzelne Publikationen Blog-Offensiven starten und nicht für das komplette, oft unüberschaubare Programm? Dass ein junges Lesepublikum im Netz zu finden ist, welches sich ganz genau informiert bevor es kauft, sollte sich allerdings rumgesprochen haben. Daher jetzt hier ein paar interessante Verlagsblogs: Die Leipziger von Voland & Quist liefern in ihrem Blog einen interessanten Rückblick auf die Leipziger Buchmesse 2009. Eine bunte Themenmischung gibt es beim mairisch Verlag und besonders multimedial geht es bei Klett-Cotta zu. Der Wörterbuchverlag Pons bloggt natürlich in Englisch und bislang nur zweimal monatlich werden beim Münchner yedermann Verlag Neuigkeiten gepostet. Tja und dann gestaltet sich die Suche schon schwieriger. Soll es das etwas schon gewesen sein? Bei fast 3000 Verlagen in Deutschland?
Nachtrag

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Heinz Strunk: Fleckenteufel

Freitag, 20. März 2009 10:31

Es ist noch gar nicht lange her, da erschien mit “Die Zunge Europas” ein vielfach falsch verstandenes Meisterwerk von Heinz Strunk. Was haben sich die Marketingleute bei Rowohlt nur gedacht, dass sie so kurz danach den Roman “Fleckenteufel” des gleichen Autors raushauen, noch dazu im Look des Mega-Bestsellers “Feuchtgebiete” von Charlotte Roche? Wahrscheinlich wollte man auf den fahrenden Zug der Ekel- und Skandalliteratur aufspringen. Aber da hat man wohl die Rechnung ohne Strunk gemacht. Denn eins ist klar: “Fleckenteufel” schneidet im Vergleich eindeutig besser ab! Nicht nur die Handlung (ein 16-Jähriger im christlichen Familienferienlager an der Ostsee), sondern vor allem die für Strunk so typischen bitterbösen Einschübe (z.B. über die mitreisenden Pastoren) machen den Roman zu einem ersten deutschsprachigen Highlight des Jahres. Was der Erzähler über seine Umwelt (dicke Mädchen, Behinderte, senile Renter, dauergeile Bauarbeiter), sein erwachendes Intimleben (Selbstbefriedigung im Schlafsack) und seine Körperfunktionen (Verstopfung, Durchfall, Flatulenzen) zu berichten weiß, ist (zum Glück) nicht politisch korrekt oder appetitlich, aber immer zum Schreien komisch, einfach weil es so wahr ist. Die wahnsinnige Welt der Erwachsenen aus der Sicht eines pubertären Außenseiters. Unbedingt lesen! hier ein Video mit Ausschnitten und Kommentaren

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Wörter von heute und morgen. Die Wortwarte

Donnerstag, 19. März 2009 9:20

Googelaner, Amokforscher, Konzernkleptokrat - die letzten Neuzugänge der Wörtersammlung wortwarte.de zeigen sofort, wie aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen Auswirkungen auf die Sprache haben. Schon seit neun Jahren werden am Tübinger Seminar für Sprachwissenschaft Zeitungstexte nach Neologismen untersucht und in einer umfangreichen Online-Datenbank veröffentlicht. Wie Wetter- und Sternwarten beobachtet die Wortwarte neueste Erscheinungen, nur eben auf dem Gebiet der Sprache. Und auch wenn mit Sicherheit nicht alle Neuschöpfungen in den alltäglichen Sprachgebrauch übergehen, ein Einstieg in das Archiv ist ein unterhaltsamer und aufschlußreicher Blick auf Sprache und Gesellschaft.

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Fleet Foxes und Pieter Bruegel d.Ä.

Mittwoch, 18. März 2009 8:38

Dieses Album war eins der besten des letzten Jahres überhaupt. Das Debüt der amerikanischen Band Fleet Foxes begeisterte mit seinen harmonischen Hippie-Klängen Kritiker UND Musikfans. Die Hülle ihrer CD zeigt einen Ausschnitt aus Pieter Bruegels (1525/30-1569) Gemälde “Die niederländischen Sprichwörter”, welches in der Berliner Gemäldegalerie hängt und über 100 Sprichwörter pointiert in Szene setzt. In dieser verkehrten Welt ist nichts so, wie es sein sollte. Eine Anspielung der Fleet Foxes auf unsere Zeit? In einem Interview geben die Jungs aus Seattle allerdings nur an, dass sie schon beim ersten Blick auf das Bild (bzw. die Reproduktion) intuitiv gespürt hätten, dass es zu ihner Musik passe. Wie kann man das am besten nachprüfen? Mit dem iPod in die Gemäldegalerie, die Fleet Foxes hören und das Original angucken!

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Twitter und Lyrik

Dienstag, 17. März 2009 11:30

Eine ganz besondere Twitter-Aktion haben sich die Books on Demand GmbH und das Literatur-Café ausgedacht: Wer bis zum 21. März ein Gedicht mit der klassischen Twitter-Länge von höchstens 140 Zeichen mit der Seite twitter-lyrik.de verlinkt, hat die Chance auf einen iPod Touch und auf eine Veröffentlichung seines Beitrags in einem Twitter-Lyrikband. Da die Teilnahmebedingungen ziemlich streng sind, z.B. treten die Dichter die Nutzungsrechte zeitlich unbegrenzt an die Veranstalter ab, hier keine Beispiele sondern nur der Link zu den bereits eingereichten Beiträgen. Viele Mini-Gedichte sprechen selbstreferenziell über das neue Medium. Lyrischer wird es aber auch, nur dann erinnern die Gedichte oft an Haikus, 17-silbige Kurzgedichte aus Japan. Ein schwerer Job für die Jury!

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