Beiträge vom Februar, 2009

Was liest “Der Vorleser” denn eigentlich genau vor?

Samstag, 28. Februar 2009 23:27

Zugegeben, Stephen Daldrys Verfilmung von Bernhard Schlinks weltweitem Bestseller “Der Vorleser” ist nicht der ganz große Wurf. Zu oft wird bis ins Detail ausformuliert, was im Roman spannend in der Schwebe blieb und den Leser bis zur letzten Zeile forderte. Aber dank der einzigartigen Story und einer großartigen Kate Winslet fesselt auch der Film. Und macht Lust auf Literatur! Jede Menge Buchtitel, oft Romane, aber auch Dramen und sogar ein Comic werden prominent gezeigt und angelesen. Homers “Odyssee”, Tschechows “Dame mit dem Hündchen”, Kafkas “Verwandlung”, Hergés “Tim und Struppi”, Lessings “Emilia Galotti”, Tolstois “Krieg und Frieden” … Welche Titel kamen im Film noch vor? Wer kann helfen?

Thema: Literatur | Kommentare (1) | Autor: mulliner

Geoff McFetridge und The Whitest Boy Alive

Donnerstag, 19. Februar 2009 16:40

Magazine, T-Shirts, Poster, Videos und natürlich unzählige Zeichnungen auf Papier - Geoff McFetridge gehört zu den besonders vielfältigen Künstlern. Die Werke des heute in Los Angeles lebenden Kanadiers wurden schon weltweit ausgestellt, seine Auftragsarbeiten gewannen etliche Preise. Selbst Modedesigner Marc Jacobs wurde auf Geoff aufmerksam (durch seinen Vorspann für “The Virgin Suicides”) und nahm ihn prompt unter Vertrag. Geoffs minimalistische Zeichnungen (schwarze Umrisslinien auf weißem Grund) passen besonders gut zur Musik von The Whitest Boy Alive, deren neues Album “Rules” er mit einigen originellen Miniaturen für Cover und Booklet illustrierte. Anlässlich des Erscheinens von “Rules” kann man vom 28. Februar bis Ende März einige Arbeiten von Geoff McFetridge im IC Berlin, Max Beer Str. 17 (Mo-Sa 11-20 Uhr) im Original sehen.

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Literaturmagazine aus aller Welt: Granta

Mittwoch, 18. Februar 2009 15:09

Schon Ende des 19. Jahrhunderts gründeten Studenten in Cambridge ein Magazin namens Granta. Mit einem Relaunch 1979 haben sich die Herausgeber vorgenommen, das Profil des dicken Hefts unter dem Motto “new writing” zu schärfen. Die unterschiedlichen belletristischen Texte, die Reportagen und die Fotografien haben stets ein gemeinsames Thema. Ältere Ausgaben drehten sich bereits um Tod, Afrika oder Film; im Januar erschien “Fathers”. Einige Höhepunkte der aktuellen Ausgabe, zum Beispiel Jonathan Lethems Text über seinen Vater, gibt es auch online. International bekannte Autoren, wie diesmal Siri Hustvedt oder Will Self, machen das Heft zu einem Tipp auch für Nicht-Engländer. Besonders berühmt ist Grantas unregelmäßige Wahl der “Best Young British Novelists”. 1983 wurden u.a. Ian McEwan, Julian Barnes und Martin Amis gekürt - heute allesamt große britische Autoren!

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Rothko/Giotto - Die Berührbarkeit des Bildes. Gemäldegalerie Berlin

Sonntag, 15. Februar 2009 19:31

Es hätte so schön sein können, denn die Idee war so einfach wie genial: Dem Betrachter werden nur drei Kunstwerke präsentiert. Er ist gezwungen, endlich wieder sehen zu lernen. Dass zwischen Giotto und Rothko mehr als 600 Jahre liegen, spielt da keine Rolle. Es geht um Farbe, Körper und Raum. Doch dann das: Eine abgetrennte Ecke eines kleinen Kabinetts, ohne Platz zurückzutreten und ohne Ruhe. Man muss sich in die Bilder vertiefen können, um sie überhaupt zu begreifen. Vor dem kleinen Raum stauen sich die Besucher, lösen die Alarmanlage aus. Das Licht und erst recht die an vielen Stellen angegriffene graue Wandbespannung hinterlassen einen zwiespältigen Eindruck. Der auf dem tragbaren Abspielgerät gezeigte Film bringt einem das Thema nicht näher. Statt auf die Originale soll man auf den pixeligen Mini-Bildschirm schauen? Warum hat man das Kabinett nicht komplett geräumt? Warum nicht einen leichter zugänglichen Raum zum Beispiel in der Studiengalerie genutzt? Und warum gibt man Hightech-Geräte aus, die verwirren anstatt aufzuklären? Idee großartig - Umsetzung leider mangelhaft!

Thema: Kunst | Kommentare (1) | Autor: mulliner

Ein Klassiker kehrt zurück. Kindlers Literatur Lexikon

Samstag, 14. Februar 2009 10:02

Am 4. September ist es soweit; die Neuauflage von Kindlers Literatur Lexikon erscheint in 18 edel gebundenen Bänden mit sage und schreibe 13.000 Werkeinträgen. Das Ziel: Die Darstellung und Interpretation der wichtigsten literarischen Werke aller Zeiten, aller Regionen und aller Kulturen. Die Artikel der ersten (ab 1965) und der zweiten Auflage (ab 1988 erschienen) wurden überarbeitet, es kommen Kurzbiografien hinzu und natürlich werden jede Menge in der Zwischenzeit veröffentlichte Werke von literarischer Qualität besprochen, zum Beispiel die Songtexte von Björk und Bob Dylan. Schon die Leseproben zu Henning Mankell, Edgar Allan Poe und Nobelpreisträger Jean-Marie Gustave Le Clézio lassen das Herz jedes Literaturfans höher schlagen. So viel gebündeltes Wissen hat aber seinen Preis: 1950,- Euro. Da ist dann der Puls auch ganz schnell wieder auf Normalniveau.

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Michael Gottlieb Bindesbøll: Thorvaldsen-Museum in Kopenhagen

Donnerstag, 12. Februar 2009 18:09

Sieben Jahre vor seinem Tod fasste der dänische Bildhauer Bertel Thorvaldsen (1770-1844) in Rom den Entschluss, seine Werke, seine Sammlung und sein Vermögen der Heimatstadt Kopenhagen zu überschreiben, damit dort ein ihm allein gewidmetes Museum entstünde. Die Unterstützung des Königs und aller Kopenhagener war ihm sicher; gehörte er doch über viele Jahrzehnte zu den wichtigsten Künstlern ganz Europas. Das Thorvaldsen-Museum ist das erste und gleichzeitig bedeutendste Bauwerk des dänischen Architekten Bindesbøll (1800-1856). Der 1848 eröffnete spätklassizistische Bau von Thorvaldsens Freund ist Dänemarks ältestes Museum und zeigt vom Grundriss bis zu den Wandbemalungen und den Fussbodenmosaiken zahlreiche antikisierende Elemente. Originale Abgüsse und Skulpturen von Thorvaldsen werden genauso ausgestellt wie seine große Kunstsammlung, die von antiken Stücken bis zu Gemälden seiner Zeitgenossen reicht. .

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P.G. Wodehouse: In alter Frische

Sonntag, 8. Februar 2009 11:49

Ashe Marson, Autor von Detektivromanen, wird vom amerikanischen Millionär J. Preston Peters angeheuert, einen wertvollen Skarabäus wiederzubeschaffen. Der trottelige Clarence Threepwood, Graf von Emsworth, dessen Sohn Freddie vorhat Aline, die Tochter von Peters, zu heiraten, steckte sich den ägyptischen Käferstein in die Tasche und stellt ihn jetzt in seinem Privatmuseum auf Schloß Blandings aus. Joan Valentine, eine alte Schulfreundin von Aline, ist genau wie Ashe scharf auf die von Peters versprochene Belohnung. Doch Rupert Baxter, der clevere Sekretär des Grafen und R. Jones, ein dicker und geldgieriger Buchmacher sorgen für Komplikationen. Klingt verwirrend? Ist es aber kein bisschen und auch wenn noch dramatische Verwicklungen in Sachen Liebe, familiäre und Magenprobleme hinzukommen, “In alter Frische” ist ein so unglaublich unterhaltsamer und clever-witziger Roman, dass man ihn am liebsten gleich noch einmal lesen würde. Gleichzeitig ist er der Einstieg in die Blandings-Saga, die Wodehouse noch mit einigen Kurzgeschichten und Romanen fortsetzte. Kann man sich also nur wünschen, dass sich Übersetzer Thomas Schlachter noch jede Menge der in Deutschland wenig bekannten, in Großbritannien enorm populären Wodehouse-Geschichten vornimmt!

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Frank Lloyd Wright: Home and Studio in Oak Park

Donnerstag, 5. Februar 2009 20:05

Die ersten 20 Jahre seiner Karriere lebte und arbeitete Frank Lloyd Wright (1867-1959) in dem von ihm immer wieder umgebauten und erweiterten Wohnhaus mit Atelier in Oak Park, einem ruhigen Vorort von Chicago. Mit gerade einmal 22 Jahren lieh er sich Geld von seinem damaligen Arbeitgeber Louis Sullivan (1856-1924), dem berühmten Vater der Wolkenkratzer, kaufte ein ländliches Grundstück und baute für seine erste Ehefrau Catherine Tobin ein kleines Häuschen, das mit den Jahren zum Experimentierobjekt des aufstrebenden Architekten wurde und an dem er 1898 sein Atelier anbaute. Hier entstanden am Reißbrett nicht nur mehr als 130 Gebäude, hier wurden mögliche Auftraggeber empfangen und nicht zuletzt wuchsen hier auch seine Kinder auf. Im typischen Stil der Prairie Houses passt sich das Gebäude flach der Landschaft des Mittleren Westens an, sind die Innenräume offen gestaltet und werden die verwendeten Naturmaterialen offen zur Schau gestellt. Der äußere Skulpturenschmuck stammt vom in Deutschland geborenen Bildhauer Richard Bock (1865-1949), der mit Wright noch häufiger zusammenarbeitete. Und noch ein Deutscher beeinflusste (wenn auch indirekt) Wrights Bauten: Schon als Kind soll der berühmteste Architekt Amerikas mit Bauklötzern des Pädagogen und Kindergarten-Erfinders Friedrich Fröbel (1782-1852) gespielt haben. Haus und Atelier in Oak Park wirken tatsächlich wie mit unterschiedlichen Bausteinen zusammengestellt.

T. C. Boyle beginnt in seinem Roman “Die Frauen” mit der Zeit nach Oak Park und erzählt Wrights Leben in drei großen Kapiteln rückwärts, das letzte widmet sich dann Oak Park und Wrights damaligen Frauen, Catherine und der Geliebten Mamah. Hier die Buchbesprechung!

Thema: Architektur | Kommentare (5) | Autor: mulliner

Zwitschernder Schriftsteller: Stephen Fry twittert

Mittwoch, 4. Februar 2009 12:25

Weit über 100.000 User lesen mit, wenn der englische Schauspieler (”Oscar Wilde”) und Schriftsteller (”Geschichte machen”) in höchstens 140 Zeichen davon berichtet, wie er im Fahrstuhl stecken bleibt, er zu spät zu einer Pressekonferenz kommt oder welche Kaffeemaschine er bevorzugt. Neben Stephen Fry nutzen auch die Autoren Paulo Coelho (”Der Alchimist”) und Neil Gaiman (”Sternwanderer”) den Mikro-Blogging-Dienst. Jeder User kann hier nicht nur seine Verbundenheit mit Lieblingsautoren zeigen (wie bei anderen Social Communities wie Myspace oder Facebook), sondern dazu noch dank mobiler Eingabe- und Ausgabemöglichkeit direkt und ohne Zeitverzögerung all das erfahren, was den Autor gerade beschäftigt. Der in Berlin lebende Schriftsteller Christian Ankowitsch geht noch einen Schritt weiter und veröffentlicht bei Twitter in kurzen Mini-Kapiteln einen ganzen Roman. Titel: “Fliegi oder Der Triumph der 140″. Stephen Fry indes erläutert in seinem Blog auch die Nachteile des Twitterns: Da er selbst ebenfalls die Kurznachrichten tausender User abonniert hat, ist er inzwischen einem recht unübersichtlichen Gezwitscher-Lärm ausgesetzt. mehr

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Richard Yates (1926-1992)

Dienstag, 3. Februar 2009 18:26

Neben Updike, Salinger und Carver gehört Richard Yates zu den Autoren, die in ihren Werken das Leben und den Alltag von ganz normalen Mittelschichtsamerikanern unter die Lupe nehmen. Nach seiner Zeit bei der Army, u.a. in Deutschland, schlug er sich als freier Journalist in New York durch und schrieb Reden für Bobby Kennedy. 1961 erschien sein erster Roman “Revolutionary Road” (”Zeiten des Aufruhrs“), der im letzten Jahr von Sam Mendes (”American Beauty”) verfilmt wurde. In den USA gilt die Geschichte von Frank und April Wheeler, die verzweifelt versuchen, sich Zwängen der Gesellschaft wie Bürojob, Eigenheim und Kindern zu widersetzen, inzwischen als Klassiker der Moderne. 2005 wählte Time den Roman zu den 100 besten englischsprachigen des 20. Jahrhunderts. Zu Lebzeiten blieb der große kommerzielle Erfolg jedoch aus, zu wenige wollten vom Scheitern des amerikanischen Traums lesen. Um die Jahrtausendwende begann man sich endlich wieder für seine Texte, auch für die Kurzgeschichten, zu interessieren. Doch Yates war schon tot, er starb 1992 an einer Lungenerkrankung.

Thema: Literatur | Kommentare (0) | Autor: mulliner