Beiträge vom Januar, 2009

Embedded Art. Kunst im Namen der Sicherheit

Sonntag, 25. Januar 2009 14:20

Ist es endlich vorbei mit den immer gleichen Mega-Events, in denen überteuerte Popcorn-Kunst ausgestellt wird, über die man nicht nachzudenken braucht? Es scheint, dass sich Ausstellungsmacher in Zeiten der Krise wieder Kunstwerken zuwenden, die auch etwas zu sagen haben. Nach “Politcal/Minimal” in den Kunstwerken gibt es jetzt in der Berliner Akademie der Künste  “Embedded Art“, eine Ausstellung die Auftragsarbeiten internationaler Künstler zeigt, die sich mit aktuellen Fragen der Sicherheit; den Spannungsfeldern zwischen Terror, Kontrolle und Angst beschäftigen. Videos, Fotografien, Installationen und Gemälde werden in zwei getrennten Ausstellungsbereichen gezeigt und schon beim Betreten des Gebäudes wird der Besucher selbst zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema gezwungen: Man muss sich Informationen von einem erhöhten Terminal geben lassen, wird im wahrsten Sinne des Wortes von oben herab behandelt. Den größeren Teil der Ausstellungsstücke gibt es in den verwinkelten Kellergeschossen, die man nur unter Leitung eines Wachmannes in Sicherheitsweste betreten darf. Für jeden Raum bleiben zehn Minuten, dann wird die Gruppe höflich weiter gelenkt. Immer wieder stehen kleine Kameras in den Ecken - erst wenn man den oberen Teil der Ausstellung betritt, sieht man wohin diese ihre Bilder liefern. Eine Fahrt mit dem Lastenaufzug, dessen Türen sich in drei Etagen vor Bildern von Moritz R® öffnen, gehört genauso dazu wie ein Fingerscan, der nicht den Fingerabruck speichert, sondern ein individuelles Kunstwerk errechnet. Auch wenn das ungewöhnlich Ausstellungskonzept einzelne Kunstwerke zu erdrücken droht, ist “Embedded Art” endlich wieder eine Schau mit politischer und gesellschaftlicher Relevanz!

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1000 Romane, die jeder gelesen haben sollte…

Donnerstag, 22. Januar 2009 16:54

… so der Titel einer derzeit auf der Homepage des britischen Guardian erscheinenden ultimativen Leseliste. Auf den ersten Blick eine dieser sinnlosen und reißerischen Kanon-Aktionen, verbirgt sich hier jedoch ein ziemlich interessanter Roman-Führer. Man hat klugerweise keine Top-Listen erstellt, sondern die Romane in sieben Themengruppen geordnet: Liebe (von “Emma” bis “Lolita”), Krimi (von “Schuld und Sühne” bis “Der ewige Gärtner”) , Komödie (von “Molloy” bis “Bridget Jones’”), Familie (von “Mrs. Dalloway” bis “Die stolzen Ambersons”), Nation (von “Bleak House” bis “1999″), Science Fiction (von “Alice im Wonderland” bis “Herr der Ringe”) und Krieg (von “Herz der Finsternis” bis “Enden der Parabel”). Natürlich wurden hauptsächlich englische Autoren ausgesucht, was die Sammlung umso interessanter macht, da jede Menge in Deutschland unbekannte Namen darunter sind. Oder hat hierzulande schon mal jemand was von Booth Tarkington (”The Magnificent Ambersons”) gehört?

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Literaturwissenschaften für alle!

Mittwoch, 21. Januar 2009 19:32

Vielleicht kennt der eine oder andere das auch: Da liest man einen Roman, von dem es heißt er sei ein großer Klassiker. Und nach der Lektüre fragt man sich, warum. Den Lesern so bekannter Romane wie Döblins “Berlin Alexanderplatz”, Musils “Mann ohne Eigenschaften” oder Canettis “Die Blendung” kann die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg ein bisschen helfen. Einige der im Rahmen der Ringvorlesung “Welt-Entwürfe - Deutschsprachige Romane der Klassischen Moderne” gehaltenen literaturwissenschaftlichen Vorträge gibt es hier als freien Download oder Podcast. Ob die Referenten allerdings immer alle Fragen beantworten, muss schon jeder selbst rausfinden.

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Stubenfliegen und Knollennasen. Videokunst bei UbuWeb

Dienstag, 20. Januar 2009 19:21

Schon seit 1996 sammelt UbuWeb Kunst im Netz. Von Dada-Gedichten über Klangcollagen und längeren Texten bis hin zu Podcasts - schon allein die Gattungen lassen sich schwer zusammenfassen. Besondere Highlights finden sich aber in der Filmabteilung. Völlig frei zugänglich kann man entweder eine BBC-Dokumentation über den englischen Maler Francis Bacon (1909-1992) schauen, eine Stubenfliege dabei beobachten, wie sie der quietschenden Yoko Ono (geb. 1933) auf der nackten Haut rumkrabbelt oder über Paul McCarthys (geb. 1945) durchgeknallte (nicht immer jugendfreie) Comic-Variante eines knollennasigen Künstlerlebens staunen.

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Lesend durch die Welt: Handlungsreisen

Montag, 19. Januar 2009 10:41

Mal eben nach Las Vegas. Dann einen Abstecher nach Wien. Und kurz vorm Einschlafen noch mal kurz in Cottbus. Mit Büchern wandert man blitzschnell von Ort zu Ort! Doch woher weiß man, welche Stadt und welches Land in welchem Buch eine Rolle spielen? Die Internetseite Handlungsreisen.de kann da helfen. Mit einem Literaturatlas lässt man sich ganz schnell Bücher nach Handlungsorten sortiert anzeigen. (Zu den Orten oben passen: Ondaatje: “Divisadero”, Irving: “Hotel New Hampshire”, Schlink: “Selbs Mord”.) Wie jede offene Datenbank steht und fällt das Projekt mit der Menge der korrekten Eingaben. Je mehr Leser ihre Lektüre mit anderen teilen und die Handlungsorte ihrer Romane und Erzählungen mitteilen, desto umfangreicher und nützlicher die Seite. Und einer (imaginären) Reise durch Länder und ganze Kontinente, inklusiver kleiner Städte und Dörfer, steht nichts mehr im Weg!

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Alberto Manguel: Eine Geschichte des Lesens

Sonntag, 18. Januar 2009 13:39

1998 erschien “Eine Geschichte des Lesens” des bibliomanen Argentiniers Alberto Manguel zum ersten Mal auf Deutsch, im letzten Jahr brachte der S. Fischer Verlag das Buch in einer prächtigen illustrierten Neuauflage heraus. In mehr als 20 Kapiteln erforscht Manguel, der auch als Lektor, Dozent und Übersetzer arbeitet, die unterschiedlichsten Aspekte des Lesen. Vom Lesen lernen über die einsame Lektüre hin zu den Formen von Büchern oder verbotener Literatur - in jedem Abschnitt geht Manguel von meist mehreren historischen Begebenheit aus, zitiert aus alten Schriften und kommt dann schließlich zu allgemeingültigen Aussagen. Am interessantesten wird es, wenn der Autor aus seinem eigenen Leben erzählt, z.B. las er als Kind dem blinden Borges vor. Immer wieder bezieht sich Manguel auf Bilder oder Fotos, die leider nur im ersten Teil des Buches gleich daneben abgedruckt sind. Auf den letzten Seiten häufen sich Abbildungen, die nur noch im weitesten Sinne den Text illustrieren. Man merkt dem Buch an, dass der Autor jahrelang recherierte und so viele wirklich bemerkenswerte Anekdoten aus der Welt des Lesen sammelte. Allerdings trübt dies den Lesegenuss ein wenig. Man hat es hier eher mit einem umfassenden Wissenspeicher zu tun, in dem man bei Gelegenheit gern noch einmal nachliest, anstatt mit einem Roman, den man von vorn bis hinten durchschmökert. Wirklich gelungen ist das letzte Kapitel: Hier erzählt der Autor von einem Buch mit dem gleichen Thema, nur trägt es den Titel “Die Geschichte des Lesens”. Dann wird einem plötzlich klar, dass es so etwas wie eine abgeschlossene Geschichte des Lesens nie geben kann. Und schon blättert man wieder in den ersten Kapiteln und entdeckt Gedanken, die einem beim ersten Lesen entgangen sind, bekommt Lust auf Autoren, von denen man noch nie gehört hat.

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Clemens Meyer ruft zur Gewalt auf

Donnerstag, 15. Januar 2009 17:33

Im zweiten Posting für sein FAZ-Blog Der Meyer fordert der Leipziger andere Schriftsteller dazu auf, sich lieber ordentlich zu kloppen, als immer nur (verlogen) nett und freundlich zu sein. Zu seinen Lieblingskampfkonstellationen gehören Daniel Kehlmann gegen Jörg Fauser und Raymond Chandler gegen Thomas Mann. Die Idee habe er von Hemingway, doch wollte dieser immer nur bereits tote Autoren “schlagen” (und noch dazu lediglich im übertragenen Sinne). Sucht das ZDF nicht gerade nach einer neuen Literatursendung? Reißerisch genug wären diese Dichter-Duelle doch allemal! Quote! Weitere Kombinationen: Charlotte Roche vs. Eva Herman, Martenstein vs. Matussek…

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Rothko und Giotto in Berlin

Mittwoch, 14. Januar 2009 17:20

Am 6. Februar öffnet in der Berliner Gemäldegalerie eine kleine aber sehr feine Ausstellung mit Werken von Giotto di Bondone (1264-1337) und Mark Rothko (1903-1970).  Der amerikanische Farbfeldmaler Rothko setzte sich in seinen Schriften intensiv mit der Kunst der frühen Italiener und vor allem mit Giotto auseinander. “An Giotto interessierte Rothko insbesondere die Fähigkeit, Bildraum und Handlung über das Kolorit zu organisieren.” so die Ankündigung. Ob es den Kuratoren gelingt, den Besuchern diese Parallelen auch vor den Gemälden zu verdeutlichen?

Nachtrag 15.02.2009: Die Ausstellungskritik gibt es hier.

Thema: Kunst | Kommentare (0) | Autor: mulliner

Alles außer Massenware: Bücher bei Tubuk

Dienstag, 13. Januar 2009 10:30

Wer Lust auf frische Literatur hat, die es in Deutschland bei den großen Publikumsverlagen in dieser Form nicht gibt, der schaue mal bei Tubuk rein. In dieser modernen Form eines gut sortierten und unabhängigen Buchladens werden ausgewählte Publikationen kleiner deutschsprachiger Independent-Verlag vorgestellt. Als angemeldeter User nutzt man die klassischen Community-Funktionen und kann beispielsweise seine Lieblingsbücher kommentieren und mit wenigen Klicks erfahren, was Fans eines bestimmten Buches noch so empfehlen. Etwas Besonderes ist Tubuk Deluxe, ein Buchclub in dem man für monatliche 6 € in jedem Quartal eine anspruchsvolle Neuerscheinung zugeschickt bekommt. Für Neuentdeckungen abseits des Mainstreams ist Tubuk derzeit mit Sicherheit die bestes Empfehlung.

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Reclam zum Selberschreiben

Montag, 12. Januar 2009 16:15

Jeder kennt die kleinen gelben Bände aus Schule und Uni. Jetzt gibt es etwas Neues: Ein leeres Reclam-Heftchen mit passendem Bleistift im Schuber. Und wenn eins nach dem anderen mit Gedichten, Dramen, Erzählungen oder Einkaufslisten vollgeschrieben ist, stellt man das Büchlein einfach zu den anderen gelben!

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