Meg Mullins: The Rug Merchant

Mittwoch, 18. November 2009 18:10

Die alte Geschichte: Liebe gegen jede Konvention. Ushman, iranischer Teppichhändler in New York, und die viel jüngere Stella, amerikanische College-Studentin, verlieben sich ineinander. Alter, Nation, sozialer Rang - es scheint fast, als ob Meg Mullins in ihrem Roman “The Rug Merchant” (auf Deutsch erschienen als “Der Teppichhändler“) möglichst krasse Gegensätze konstruieren wollte. Doch dann kommt gerade nicht, was der Leser eigentlich erwartet hätte. Keine Familien, die Einspruch gegen die Beziehung erheben, keine Freunde, die davon abraten. Stattdessen wird das trostlose, traurige Leben Ushmans geschildert und wie er bei Stella zum ersten Mal echte Liebe und Aufmerksamkeit findet.
Der stille Ushman verkauft teure Teppiche, die ihm seine Ehefrau aus dem Iran in die USA schickt. Geplant war, dass sie ihm irgendwann folgt. Doch die Fernbeziehung zerbricht und Ushmans Pläne für die Zukunft gleich mit. Verzweifelt irrt er durch die Stadt, steht oft einsam am Flughafen in der Hoffnung, gleich seine Frau zu empfangen oder einfach den nächsten Flug zu ihr zu nehmen. Dort trifft er Stella, die eben ihre Eltern in den Italienurlaub verabschiedet hat. Sie wechseln ein paar Worte, trinken einen Kaffee, er gibt ihr seine Karte. Als Stellas Mutter in Italien plötzlich einen Selbstmordversuch unternimmt, meldet sie sich bei ihm. Die Einsamkeit führt sie zusammen. Einige Wochen dauert die Beziehung. Der melancholische Ushman scheint sich dabei immer bewusst, dass dies alles sehr schnell zu Ende sein könnte. Und als schließlich der Mann seiner besten Kundin stirbt und diese plötzlich in direkte Konkurrenz zu Stella tritt, ist es vorbei.
“The Rug Merchant” ist eine stimmungsvolle Liebesgeschichte mit vielen kleinen Szenen, die wunderbar beobachtet und beschrieben sind: Die Blicke von Stellas Mitschülerinnen, der Besuch in einem Diner, das Gespräch mit einer chinesischen Nutte. Keine großen dramatischen Cliffhanger, sondern alltägliche Kleinigkeiten, die umso mehr berühren. Nein, dieses Büchlein wird sicher nicht in die Literaturgeschichte eingehen und doch ist es eine perfekte, leichte Herbstlektüre!

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Herzog & de Meuron: Tenerife Espacio de las Artes

Freitag, 13. November 2009 14:29

Sie sind das einflussreichste und bekannteste Architektenteam der Gegenwart. Großprojekte wie der Umbau eines alten Kraftwerks zur Tate Modern in London, die Allianz-Arena in München oder das Olympia-Stadion in Peking (”Vogelnest”) wurden im Büro von Jacques Herzog und Pierre de Meuron entworfen. Doch auch abseits der Metropolen und bei nicht ganz so großen Bauaufträgen beweisen die Schweizer ihren Mut zu Innovationen:
Im Herbst 2008 eröffnete in Santa Cruz mit dem Tenerife Espacio de las Artes, kurz TEA, ein Kunst- und Ausstellungszentrum, das neben dem Óscar Domínguez gewidmetem Museum auch eine Bibliothek, einen Hörsaal, ein Restaurant und einen Shop beherbergt.
Das TEA entstand in Zusammenarbeit mit dem spanischen Architekten Virgilio Gutiérrez. Es liegt im Stadtzentrum an einem Hang zwischen einer Brücke und einem Kanal. Der Grundriss hat die Form eines Rechtecks, dem durch versetzte Diagonalen ein Dreieck in der Mitte herausgeschnitten wird. Dort befindet sich der geöffnete Innenhof, über den man auch ins Innere des Gebäudes gelangt. Eine diagonale, offen zugängliche Rampe reicht von der oberen bis zur unteren Ebene und führt mitten durch das Gebäude.
Die Außenseiten scheinen auf den ersten Blick wehrhaft, erinnern durch die Pixel- oder Tetrisformen der Fenster dann aber schnell an abstrakt-geometrische Gemälde oder auf der Kanalseite an einen nicht entschlüsselbaren Computercode. Am groben Sichtbeton zeigen sich außen die Spuren des Regens. Dunkle Bodenplatten rund um das TEA grenzen es noch stärker von der Umgebung ab. Im Inneren gibt es zahlreiche große Ausstellungsräume und noch bis Januar 2010 werden unter anderem Landschaftsfotos von Thomas Ruff präsentiert, die sich in ganz ähnliche Pixel auflösen, wie die Außenwände des Gebäudes selbst.

Herzog & de Meuron: Tenerife Espacio de las Artes

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Oscar Niemeyer: Pestana Casino Park in Funchal, Madeira

Freitag, 30. Oktober 2009 15:29

Selbst wenn Madeiras Hauptstadt Funchal heute von allen Seiten mit Hotels zugebaut wird - ein Gebäudekomplex stellt alle alten und neuen Bettenburgen locker in den Schatten: Oscar Niemeyers Pestana Casino Park wirkt noch immer so modern wie zu seiner Entstehungszeit Mitte der 1960er Jahre. Das strahlend weiße Casino in der Form eines Vulkans mit vertikalen Rippen an der Außenseite erinnert an Niemeyers Kathedrale in Brasilia. Es ist umgeben von einem halbrund gebogenen Hotelblock auf hohen Sockeln. Dazwischen ist viel Platz für Bäume und Blumen. Über eine geschwungene Brücke sind Casino und Hotel miteinander verbunden. Und hinter dem Casino, vor den Blicken der Passanten gut geschützt, befindet sich der obligatorische Pool mit Blick auf den Ozean.

Casino Madeira

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Iglesia de El Salvador in Santa Cruz de La Palma

Samstag, 24. Oktober 2009 9:56

Es ist das größte Renaissancegebäude der gesamten Kanaren. Gebaut wurde die Iglesia de El Salvador Ende des 15. Jahrhunderts. Die Fassade zitiert Elemente eines römischen Triumphbogens und liegt an einem kleinen, zentralen Platz mitten im Zentrum von La Palmas Hauptstadt Santa Cruz. Die Stadt am Fuße eines Vulkankraters war im 16. Jahrhundert nach Sevilla und Antwerpen die wichtigste Hafenstadt des spanischen Königreichs. Die Kirche stammt aus dieser kolonialen Blütezeit. Sie fügt sich nahtlos ein in das Netz von kleinen Gassen und Straßen der intakten Altstadt. Das Innere beeindruckt vor allem mit einer abwechslungsreichen, farbenfrohen Kassettendecke. Vor der Kirche steht ein Denkmal für den Geistlichen Hernández, der im frühen 19. Jahrhundert in seinen Predigten für politische Freiheit eintrat.

Iglesia de El Salvador in Santa Cruz de La Palma

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Kazuo Ishiguro: Nocturnes. Five Stories of Music and Nightfall

Montag, 19. Oktober 2009 13:56

Liebe, Musik, Vergänglichkeit. Der Autor des Klassikers “Was vom Tage übrigblieb” hat ein neues, vor kurzem auch in deutscher Sprache erschienenes Buch geschrieben (Titel der Übersetzung: “Bei Anbruch der Nacht“, Blessing Verlag). In den fünf Geschichten schildern unterschiedliche Menschen ihre mal mehr, mal weniger spektakulären Erfahrungen in Sachen Partnerschaft und Trennung. Eines haben sie alle gemeinsam: Musik spielt in ihren Leben eine große Rolle.
In der ersten Erzählung “Crooner” berichtet ein in Venedig arbeitender Gitarrist von der Begegnung mit einem ehemals großen amerikanischen Sänger. Als er gebeten wird, ein nächtliches Ständchen für die Ehefrau des Sängers zu geben, willigt er schnell ein. Erst auf den letzten Seiten der Geschichte kommen ihm und dem Leser Zweifel. Die Venedig-Reise des Sängers soll die langjährige Ehe nämlich nicht wiederbeleben, sondern beenden.
Eine ähnlich traurig-melancholische Endzeitstimmung herrscht auch in der zweiten und eindringlichsten Story. “Come rain or come shine” handelt erneut von einem Paar und einem Dritten. Diesmal ist es ein musikbesessener Englischlehrer. Er wird von einem alten Freund nach London geholt, um dessen Beziehung zu retten. Der hinterhältige Plan: Der Lehrer soll den deprimierten Looser spielen, so dass die Frau des Schulfreunds erkennt, was sie an ihrem Mann eigentlich hat. Eine Weile geht das auch gut. Doch dann kommt das Gespräch auf Musik, die alten amerikanischen Klassiker, dank derer sich der Lehrer und die Frau vor Jahren gut kennengelernt hatten…
Ein Saxophonist, ein Cello-Spieler, ein Singer-Songwriter und deren Erlebnisse sind die Helden der anderen Geschichten. Der Titel Nocturne deutet es schon an: Es ist der ganz eigentümliche Zusammenklang von Dämmerung, Nacht und Musik, den Ishiguro in seinen Geschichten zu treffen versucht. Zum großen Teil gelingt es ihm gut, diese träumerische, oft schwermütige Atmosphäre zu schildern. Hin und wieder allerdings, immer dann wenn es auf Pointen oder Höhepunkte zuläuft, drohen die Geschichten etwas banal zu werden. Solange er aber wie der Meister der Kurzgeschichte Raymond Carver alles in der Schwebe lässt, sind die fünf Storys wunderbare und anspruchsvolle Unterhaltungsliteratur.

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Santiago Calatrava: Auditorio de Tenerife

Freitag, 9. Oktober 2009 10:45

Ein Segel im Wind, die Flosse eines riesigen weißen Fisches oder ein steinernes Palmenblatt - egal, welches Bild einem vorschwebt - Santiago Calatravas Kongress- und Konzerthalle in Teneriffas Hauptstadt Santa Cruz ist unglaublich schön. Das mit unzähligen unregelmäßigen weißen Kachelstücken verkleidete Gebäude strahlt in der Sonne besonders hell. Der Architekt verweist hiermit auf Antonio Gaudi, der seine Gebäude ebenfalls mit Keramikscherben schmückte. Die 2003 eröffnete Halle steht direkt an der Küste und zeigt in Richtung See, die Sichel schwingt quasi in Fahrt- oder Windrichtung nach hinten. Die umliegenden Terrassen und der Betonsockel nehmen die spitzen und geschwungenen Formen des Gebäudes wieder auf. Neben Gaudi sind noch weitere Vorbilder im Gespräch: Mendelsohns Einsteinturm in Potsdam oder Utzons Opernhaus in Sydney weisen Ähnlichkeiten in der ausdrucksstarken Formensprache auf.

Auditorio de Tenerife von Santiago Calatrava

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Helmut Krausser: Thanatos

Montag, 5. Oktober 2009 17:34

Da kommt einer mit Ehe und Beruf nicht mehr zurecht und steigt aus. Dass der Literaturwissenschaftler und Romantik-Experte Konrad nicht nach Amerika oder zumindest in eine fremde Großstadt, sondern zur kleinbürgerlichen Verwandtschaft nach Süddeutschland flieht, zeigt schon, welch ungewöhnlichen Wege Helmut Kraussers Romanheld noch gehen wird. “Thanatos” (1996) ist so etwas wie das Gegenstück zum philosophisch-esoterischen Selbstfindungsroman “Nachtzug nach Lissabon” (2004) von Pascal Mercier. Während dort ein Lehrer in Lissabon letztlich zu sich selbst findet, verliert sich Konrad in “Thanatos” völlig, spaltet sich in mehrere Identitäten auf und erliegt schließlich, ganz wie der Romantitel es vorhersagt, dem Todestrieb. [...]

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Rudolf Pohle: Denkmal für Alois Senefelder

Donnerstag, 27. August 2009 10:17

Es war das erste Denkmal in Berlin, das einen Handwerker ehrte: Alois Senefelder erfand 1798 den Steindruck (oder Lithografie), ein Flachdruckverfahren, das auf der Abstoßung von Fett und Wasser beruht und im 19. Jahrhundert zum wichtigsten Verfahren wurde, um Farbiges zu drucken. Der Berliner Bildhauer Rudolf Pohle schuf eine hohe Skulptur aus Carrara-Marmor, die 1892 auf dem ehemaligen Thusneldaplatz (heute Senefelderplatz) in Prenzlauer Berg aufgestellt wurde. In Arbeitskleidung, mit einer auf das linke Knie gestemmten lithografischer Platte sitzt Senefelder in ziemlich unrepräsentativer Pose auf dem barockisierenden Sockel. Die vor dem Sockel spielenden Putten stellen noch einmal das von ihm erfundene Druckverfahren dar: Während der eine in Spiegelschrift den Namen Senefelders schreibt, überprüft der andere den Namen mit einem Handspiegel.

Rudolf Pohle: Denkmal für Alois Senefelder

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Tom McCarthy: 8 1/2 Millionen

Montag, 24. August 2009 10:02

Da bekommt der Held als Entschädigung für einen nicht von ihm verursachten Unfall genau 8 1/2 Millionen Pfund gezahlt und dann das. Anstatt sich lang gehegte Träume zu erfüllen, zum Beispiel das triste London gegen eine Südseeinsel einzutauschen, geht er - auf den ersten Blick - ziemlich verrückten Ideen nach, widmet sich dem “Nachspielen” von Visionen und tatsächlich erlebten, meist zufälligen Begebenheiten. Sein Ziel ist es, endlich wieder “echt” zu sein. Denn der Unfall hat wohl einiges in seinem Kopf durcheinandergebracht.
Eigentlich ist es unmöglich Tom McCarthys Roman “8 1/2 Millionen” (erschienen bei diaphanes) kurz zusammenzufassen. Viel zu schnell hört sich alles verschroben und schräg an, was in der langen Version logisch und konsequent scheint. Schritt für Schritt erzählt der Held von seiner Genesung, wie er sein Geld schnell durch Aktienspekulation vermehrt und wie er auf der Suche nach sich selbst auf die Idee kommt, Zeit quasi anzuhalten und in immer größeren Projekten Ereignisse nachspielt. Er bemerkt, dass ihm nach dem Unfall eigentlich lang Vergessenes wieder einfällt und so ist es Anfangs eine Suche nach der eigenen Vergangenheit. Er baut sich die erste Vision bis in kleinste Einzelheiten nach - ein Klavierspieler übt tagelang Rachmaninow, die Frau in der Wohnung unter ihm brät tonnenweise Leber, weil er sich an den Geruch erinnert. Gedächtnislücken kennzeichnet er weiss: Eine andere Frau, an dessen Gesicht er sich nicht erinnert, trägt eine Maske.
Immer und immer wieder lässt er kleinste Bewegungen wiederholen. Gelungen ist alles erst dann, wenn er ein Kribbeln in der Wirbelsäule spürt. Später driftet er regelrecht weg, fällt in Trance. Und natürlich kommt eins zum anderen. Erst das Haus, dann eine Autowerkstatt, ein Mord auf offener Straße, dann ein Banküberfall: Alles wird nachgebaut, etliche Menschen spielen die Realität nach - auch wenn der Erzähler gerade nicht vor Ort ist. In einer weiteren Vision wird das Nachgespielte dann wiederum in die Realität gesetzt. Und in einem großen Finale fallen beide Ebenen wieder zusammen.
So etwas wie “8 1/2 Millionen” gibt es selten: ein Roman mit Spannung und philosophischem Tiefgang gleichzeitig. Wie der Held kann man sich schnell in Gedankenschleifen verlieren und dann ist alles so, wie in dem oft zitierten Song von den Propellerheads: “… and I’ve seen it before, and I’ll see it again, yes I’ve seen it before, just little bits of history repeating”.

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Modell Bauhaus. Martin-Gropius-Bau Berlin

Mittwoch, 19. August 2009 17:15

Diese Ausstellung ist vor allem eins: riesig! Das komplette Erdgeschoss des Martin-Gropius-Bau, dem ehemaligen Berliner Kunstgewerbemuseum, ist regelrecht vollgestellt mit etwa 1000 Bauhaus-Objekten. Selbst im Lichthof gibt es kein Entrinnen: Dort holt die Amerikanerin Christine Hill mit ihrer witzigen Mitmach-Installation “Do-It-Yourself Bauhaus” den Mythos in die Gegenwart. 90 Jahre nach Gründung des Bauhauses in Weimar veranstalten die drei großen Institute (Stiftung Bauhaus Dessau, Klassik Stiftung Weimar, Bauhaus-Archiv Berlin) gemeinsam die bislang größte Ausstellung zum Thema.
Gemälde, Fotos, Modelle, Skizzen, Entwürfe, Drucke, Bücher, Möbel, Kunstgewerbe, ja sogar originale Architekturteile (z.B. Fenster und Türen aus einem Dessauer Reihenhaus von Walter Gropius) oder Kleidung (Grete Reichardts Bauhaus-Kleid von 1928) - Objekte aus allen nur möglichen Bereichen erweitern den sonst üblichen Schwerpunkt auf Architektur und Inneneinrichtung. Mit so vielen unterschiedlichen Kunstwerken - groß oder klein, flach oder sperrig, fragil oder robust - muss die Ausstellungsarchitektur erst einmal fertig werden. Am Anfang wirkt das noch chaotisch und vollgestopft: Gleich im zweiten Teil, “Impulse aus der Kunst”, verstellen etliche kleine, von beiden Seiten behangende Stellwände den Raum und schon bei mehr als 20 Besuchern beginnt ein Hin- und Herschlängeln um die Kunstwerke. Dabei verpasst man schnell so tolle Arbeiten wie Kandinskys “Kleine Welten”.
Doch spätestens nach der Hälfte der Ausstellung überzeugt die eigens (ein-)gebaute Architektur der Berliner Firma kubix - vielleicht auch weil viele ältere Ausstellungsbesucher inzwischen schlapp gemacht haben und nicht mehr jedes Stück blockieren. Im zehnten Raum (von insgesamt 18) steht der komplizierte Licht-Raum-Modulator von László Moholy-Nagy hinter transparenten Wänden und wird von bunten Scheinwerfern angestrahlt. Wenn sich diese wohl früheste kinetische Plastik (mehr zu moderner kinetischer Kunst hier) zu drehen beginnt und im dunklen Raum ein wunderbares Lichtspiel verursacht, wird zum ersten Mal richtig klar, was die Bauhaus-Leute mit Einheit von Kunst und Technik meinten.
Und so ist die Ausstellung etwas für Bauhaus-Kenner UND -Einsteiger. Die einen freuen sich über ein Wiedersehen mit Marcel Breuers Clubsessel, Mies van der Rohes Entwurf für den Pavillon in Barcelona 1928, seine Hochhaus-Entwürfe für die Berliner Friedrichstraße oder über die Gemälde von Lyonel Feininger. Die anderen staunen über hochkarätige Leihgaben aus dem New Yorker MoMA (Werke von Malewitsch und Mondrian im Raum “Wechselwirkungen”). Und doch gibt es noch so viel selten Gezeigtes, wie Marcel Breuers “Afrikanischer Stuhl” oder das originale Fensterelement aus dem Faguswerk in Alfeld von Gropius und Meyer. Schließlich ist nicht nur der Einsteiger überrascht über Breite und Vielfalt des Bauhauses!
Modell Bauhaus ist noch bis 4. Oktober geöffnet.

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